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In der Zeit, in der ich für die Siemens AG gearbeitet habe war das Thema Wissensmanagement immer höchst präsent. Gerade in der IT fielen eine Fülle von technischen Dokumentationen, Protokolle, Checklisten uvm. an, die regelmäßig ergänzt und aktualisiert werden mussten. Neben diesen Anforderungen lag eine der Schwierigkeiten mitunter auch darin, dass oft mehrere Personen ein Dokument bearbeiteten und dass diese Mitarbeiter nicht zwingend in nur einer Abteilung oder gar an einem Standort und in einer Zeitzone operierten. Die Kunst war also, all das vorhandene IT-Wissen zu evaluieren, anschließend aufzuräumen, zu sortieren und das IT-Portal so aufzubauen, dass es für jedermann, in den nationalen und internationalen Standorten, logisch aufgebaut und nützlich ist. Sicher ist Siemens kein Einzelfall und der ein oder andere von Ihnen sah oder sieht sich vielleicht genau vor die gleichen Herausforderung gestellt. Aber dies ist nun schon ein paar Jahre her und wie wir wissen, dreht sich die Welt immer weiter. Heute stehen wir uns einer neuen Herausforderung gegenüber: Dem Innovations- und Ideenmanagement.

Umgangssprachlich wird Innovation mit Ideen und Erfindungen oft in einen Topf geworfen, jedoch handelt es sich dabei um unterschiedliche Ansätze. Während am Anfang einer Erfindung die Idee steht, die durch das Erstellen eines neuen Produktes, einer Dienstleistung oder eines Verfahrens umgesetzt wird (Invention), ist es bei der Innovation ein wenig anders:

Dem deutsch-amerikanischen Ökonomen Joseph Schumpeter nach wurden Innovationen als die Neuaufstellung vorhandener Produktionsfunktionen definiert. Das bedeutet, bereits bestehende Faktoren werden auf eine solch neue Art und Weise kombiniert, dass etwas Neues daraus entsteht. Schumpeter definierte Innovationen auch als “Schöpferische Zerstörung “: Zuerst muss eine alte Struktur in einem Entwicklungsprozess zerstört werden, um daraus neue Kombinationen dieser Faktoren zu schaffen. Ich denke, dass genau das derzeit in Unternehmen passiert bzw. passieren sollte, die sich ernsthaft mit der Einführung von Social Media beschäftigen (möchten). Um das (Er)schaffen von Innovationen (Ideen und Erfindungen eingeschlossen) optimal zu ermöglichen, müssen vorhandene Prozesse überdacht und neu zusammengestellt werden. Um das zu erreichen, müssen wir uns einer schöpferischen Zerstörung bedienen und es genügt oft nicht, nur ein Werkzeug dafür einzusetzen, wie es vielleicht beim Wissensmanagement der Fall ist.

Ideen, Erfindungen und Innovationen gehören zu den kreativen Prozessen, im Gegensatz dazu liegt das Wissensmanagement im verwaltenden Bereich. Beides sollte daher im Enterprise 2.0 unterschiedlich gehandhabt werden. Das beginnt bereits bei der Berechtigungsplanung, denn in einem kreativen Prozess fragen Sie nicht, welches Wissen die Öffentlichkeit sehen darf, sondern welche Information nicht veröffentlicht werden soll. Der Gedankenansatz ist hierbei gänzlich unterschiedlich gegenüber dem Wissensmanagement. Denn wenn ich erreichen möchte, dass Menschen sich kreativ austauschen, muss alles offen und zugänglich sein um das Weiterentwickeln von Gedankengängen zu ermöglichen. Nur falls es unbedingt nötig ist, sollten Bereiche von der Öffentlichkeit abgegrenzt werden.

Prof. Dr. Peter Kruse bringt diesen Ansatz in diesem Video auf den Punkt:

Das war vor ein paar Jahren, beim Aufbau des IT-Wissensportals, natürlich noch ganz anders. Weil Projekt- und Applikationsbereiche ausschließlich den Projektmitgliedern und Applikationsverantwortlichen vorbehalten waren, konnte sich nur für diese Gruppe neues Wissen bilden. Es war daher kaum möglich kreative Ansätze schaffen, geschweige denn das neu gewonnene Know-How einer Öffentlichkeit zugänglich machen. Dafür hätten Personen aus unterschiedlichen Bereichen eingebunden werden müssen, die außerhalb des Tellerrandes den Vorgangsprozess und die technischen Umsetzungen kritisch hinterfragen und ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit hätten einbringen können. Heute sieht die Welt sicher wieder anders aus, denn letzten Endes lebt Groß und Klein von ihrem Wissen, ihren Ideen, Erfindungen und Innovationen: All das ermöglicht uns, uns weiterzuentwickeln und uns immer wieder neu zu erfinden. Daher ist gerade das Ineinandergreifen der Zahnräder im Verwaltungs- und Kreativmanagement meiner Meinung nach der wichtigste Punkt für das (Über)Leben einer Organisation in unserer Marktwirtschaft.