Auf XING empfehlen

Meine Kollegen hatten kürzlich eine Präsentation bei einem unserer Kunden. Dabei wurde ein von uns ausgearbeitetes Enterprise 2.0 Konzept vorgestellt, das daraufhin diskutiert wurde. Dabei kam auch die Frage des Kunden auf, warum Statusupdates wichtig seien? Ist das nicht ein Instrument, um Mitarbeiter zu kontrollieren? Der Betriebsrat wurde hellhörig.

Eine für uns neue Erkenntnis der Sicht, denn wir hätten das Statusupdate nie in das Konzept eingebaut, wenn wir Mitarbeiterkontrolle im Sinn gehabt hätten. Was uns da geritten hat? Das möchte ich gern erläutern und dabei die Möglichkeiten dieses Hilfsmittels beschreiben.

Statusupdates gibt es bereits auf so ziemlich allen Plattformen. Twitter, Facebook, XING und LinkedIn sind dabei die prominentesten. Sie bestehen meist aus einem Textfeld mit der darin enthaltenden Frage: “Was machst Du gerade?” – die zu einer kurz gefassten Antwort motivieren soll. Kurz gefasst ist ein entscheidendes Kriterium für den Status, denn je kürzer der Text, desto eher wird er gelesen. Der Voyeurismusgedanke und Wissensdurst beim Empfänger ist dabei Motivation genug, vor allem aber bei Menschen, die ihn interessieren oder nahe stehen. Doch aus welchem Grund sollte man selbst seinen Status mitteilen?

Machen wir uns nichts vor: Wir lieben Anerkennung. Alle. Wir wollen sie für unsere Worte, unsere Taten oder unsere Nicht-Taten. Ich befürchte sogar, dass Anerkennung entscheidend ist für alles, was veröffentlicht wird. Wissensteilung ist dabei “nur” ein positiver Nebeneffekt, denn nur der bekommt Applaus, der teilt. Relevant soll es sein, und darin liegt in der Lösung auch das Problem: Was für den einen nützlich, ist für den anderen unsinniges Rauschen im Zeilenmeer. Das Filtern ist dabei jedem selbst überlassen – aber wer es beherrscht, dem öffnen sich Türen, wo vorher keine waren.

Ein paar Fallbeispiele

1) Ein Manager teilt mit, dass er sich für eine Konferenz vorbereitet, die an einem anderen Standort als seinem stattfindet. Ein Kollege liest das und möchte die Chance nutzen, um ihn beim Mittagessen persönlich kennenzulernen. Da der Manager sonst nur schlecht erreichbar ist, wird er ihn wegen einer Reklamation gleich direkt ansprechen können.

2) Eine Außendienstmitarbeiterin ärgert sich über die Flugverspätung während einer Reise. Ein Kollege liest das und gibt ihr den Tipp, einen Leihwagen oder den Zug zu nehmen, da im Internet bereits mehrere Ausfälle gemeldet wurden.

3) Eine Team-Assistentin soll für eine Kollegin ein kleines Geschenk besorgen, um ihr zur Geburt ihrer Tochter zu gratulieren. Über ihren Status meldet sie, sich gerade darüber Gedanken zu machen. Ein Kollege ruft sie darauf hin an und gibt ihr den Tipp, der jungen Mutter ein Abo vom neuen Familien-Magazin zu schenken, das sie in letzter Zeit oft gelesen hat.

4) Ein Wettbewerber stellt auf einer Messe seine neueste Innovation vor. Der Auszubildende des konkurrierenden Unternehmens fotografiert sie und sendet das Bild als Anhang in seinen Status mit der Frage, wo er sowas ähnliches schonmal gesehen hat? Daraufhin bedankt sich sein Kollege und schreibt, dass er das Alternativprodukt bei sich hat und morgen mit zur Messe bringt.

Diese positiven Beispiele kann man bis zur Besinnungslosigkeit aufzählen – und doch ist probieren besser als sich darüber nur Gedanken zu machen. Der große Vorteil der Statusberichte ist, dass sie an niemanden speziell adressiert sind – sondern an alle. Gleichzeitig ist das auch der Nachteil von Direktnachrichten: Die Leser sind vordefiniert und das macht es schwer bis unmöglich, Außenstehende mit einzubringen. Wir nutzen intern Statusupdates schon seit fast einem Jahr sehr erfolgreich und können sie daher aus eigener Erfahrung sehr empfehlen – übrigens auch Betriebsräten.