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Beim Arbeitsplatz der Zukunft und beim Enterprise 2.0 geht es nicht nur darum, abgelegtes Wissen in Form von Beiträgen und elektronischen Dokumenten bereit zu stellen und zu finden, sondern auch darum, für ein bestimmtes Anliegen den bestmöglichen Experten zu finden. Selten ist es so, dass die Dokumente, die man zu einer bestimmten Thematik findet, die Fragen konkret beantworten, und selten ist es so, dass man die Zeit hat, alle Dokumente und Informationen durchzugehen. Es ist schwierig, schnell und präzise den richtigen Ansprechpartner zu finden, wenn ein Unternehmen in mehrere Standorte aufgeteilt ist. Dann ist es nämlich nicht möglich, eine Etage höher oder im Nachbarbüro nachzufragen, ob sich jemand mit dem Thema auskennt. Daher braucht jeder Mitarbeiter Instrumente, mit denen er zielgerichtet und rasch geeignetes Fachpersonal finden kann.

Dabei können die Fragen vielfältig sein: wer hat schon einmal mit einem bestimmten Lieferanten zusammen gearbeitet, wer hat Unterlagen und Kenntnisse zu einer bestimmten Branche, wer kennt sich mit einer speziellen Software aus, wer hat Erfahrung in bestimmten Verfahren, oder wer arbeitet gerade daran?

Dabei ist das zentrale Ziel, Know-How im Unternehmen unabhängig von Abteilungen, Filialen, Standorten und Ländern zu teilen und Synergieeffekte zu generieren. Viel zu oft werden in Unternehmen Recherchen mehrfach getätigt, Präsentationen zu Produkten und Themen mehrfach erstellt, kurzum Zeit unsinnig investiert, wo es eigentlich nicht notwendig wäre.

Indem Mitarbeiter vernetzt sind, werden diese in die Lage versetzt, innerhalb kürzester Zeit den entsprechenden Ansprechpartner mit weiterführenden Informationen, Querverweisen, Links und Daten zu persönlichen Schwerpunktgebieten mit nur einer Suchanfrage passgenau zu ermitteln. Damit würden zeitintensive, oftmals erfolgslose Abfragen quer durch das hausinterne Adressbuch entfallen.

Ein gutes Beispiel ist die Geschichte eines Vertriebsmitarbeiters bei IBM, die vielleicht einigen bekannt ist. Er war dabei, ein komplexes Angebot über 500.000 Euro für einen Kunden in Deutschland zu schreiben. Ein amerikanischer Softwarelieferant für einen kleineren Teil der Lösung drohte ihm allerdings einen Strich durch ein für den Kunden lukratives Angebot zu machen: Trotz Verhandlungen verlangte er in Deutschland, noch über 200.000 Euro für seine Softwarelizenzen.

Damit wäre das Angebot deutlich zu teuer geworden – der Mitarbeiter war kurz vorm Aufgeben. In seiner Verzweiflung schrieb er in das Intranet in der Community “Ganz IBM”: „Wer hat schon mal mit dem Hersteller XYZ zusammengearbeitet, und welchen Nachlass hat er erhalten?“. Auf die Echtzeitanfrage – nachmittags um 17 Uhr gestellt, damit auch möglichst viele Amerikaner davon Notiz nehmen – meldeten sich spontan vier ihm bis dato unbekannte amerikanische Kollegen und sogar einer aus Australien und nannten ihm Erfahrungen mit fast 70 % Nachlass mit dem Partner bei ihren Projekten in Amerika. In der nächsten Verhandlung mit dem Lieferanten großes Erstaunen: „Wie haben Sie denn das herausbekommen? Damit hätten wir nie gerechnet.“

Dies zeigt, dass Dokumente nicht alles in einem Unternehmen sind und nicht alles sagen. Im Mittelpunkt stehen am Ende doch der Mensch, sein Wissen, seine Erfahrungen und die Interaktion mit ihm. Die Wissensressource Mensch ist deshalb so bedeutsam, weil der versierte Profi mit individuellen profunden Erfahrungen, Kenntnissen und Fertigkeiten die Möglichkeit bietet, effektiv Know-how in einen Innovationsprozess zu integrieren und diesen konstruktiv mit zu gestalten. Gerade die Kooperation und Interaktion mit Spezialisten ist für die Produktivität, Effizienz, Weiterentwicklung und somit für den Erfolg eines Unternehmens immens wichtig. Vor allem deshalb, weil diese Personen nicht nur über explizites Wissen verfügen, sondern auch weiterhin in der Lage sind, intuitiv Empfehlungen oder Ratschläge auszusprechen und produktive Hinweise oder gar Problemlösungen anzubieten.

Das ist der Social Workplace, der vernetzte Arbeitsplatz, wenn Menschen in Kontakt kommen, zusammenarbeiten, voneinander profitieren, unabhängig von Zeit und Standort. Was früher im Flur, bei der Kaffeepause, beim Mittagessen in der Kantine in einer eher kleineren Gruppe besprochen wurde kann der Mitarbeiter so mit allen Kollegen diskutieren.

Wichtig ist aber letztlich, dass das Teilen von Wissen gebührend anerkannt wird. Die Gefahr ist sonst, dass sich eine Mentalität des Nehmens ohne Geben einstellt und niemand mehr seine Expertise teilen will. Wie gesagt: bei allen wirtschaftlichen Zielen muss im Mittelpunkt der Mensch stehen. Und jeder Mensch verdient Respekt und Anerkennung. Auch bei der Arbeit.