Auf XING empfehlen

Im 1. Teil dieser Blogserie ging es darum, wie man ein Unternehmen intelligenter machen kann. Heute geht´s zum nächsten Teil, dem Recruiting im Enterprise 2.0.

Vor ca. 10 Jahren habe ich selbst folgende Erfahrung gemacht, als ich mich auf eine interne Stellenausschreibung bewarb: Ich bekam die Stelle nicht. Gut, kann passieren und es war auch nicht weiter schlimm, denn: Für ein noch inoffizielles E-Commerce Projekt wurde ein Mitglied mit meinem Know-how gesucht. Der Zufall, dass eine andere Abteilung jemanden suchte und sowohl das E-Commerce Projekt als auch die besagte Stelle über einen Schreibtisch liefen, brachte uns zusammen – für beide Seiten eine Win-Win-Situation! Das Besondere daran: Das erforderliche Wissen eignete ich mir nicht während der Ausbildung an, sondern indem ich meinem Hobby nachging.

„Wenn wir wüssten, was wir wüssten“

Hätten Sie gewusst, dass Mitarbeiter über Portale wie XING und LinkedIn qualifizierte Ansprechpartner suchen, die im eigenen Unternehmen arbeiten? Den Weg, hierüber neue Mitarbeiter für eine intern ausgeschriebene Stelle zu finden, ist für mich nur der nächster kleiner Klick. Erstaunlich, dass das nicht intern funktioniert. Und noch erstaunlicher, dass Mitarbeiter ihre Daten so bereitwillig im Web streuen – vorbei an den Sorgen zum Datenschutz der Mitarbeiter.

Die klassische Vorgehensweise um eine Stelle zu besetzen ist sie intern auszuschreiben – erstmal. Einen eigenen Mitarbeiter für eine Stelle zu besetzen ist sowieso sinnvoll, denn nicht allein das Know-how ist wichtig, sondern auch Kenntnisse über das Unternehmen und ein gutes Kollegen-Netzwerk. Die klassische Vorgehensweise ist jedoch sehr einseitig: Während Mitarbeiter Angebote durch aktives Suchen finden können, finden Unternehmen nicht immer die richtigen Mitarbeiter. Wie also an geeignete Kandidaten geraten?

Eines der Probleme beim Recruiting ist die Abhängigkeit von Personaldienstleistern. Erschwerend kommt hinzu dass sie das Unternehmen oft nicht gut kennen aber trotzdem viel Geld kosten. Dies kann dazu führen, dass das Recruitment von neuen Mitarbeitern sehr langwierig und kostenintensiv wird. Wie man diesen Kosten umgeht, versuche ich in einem Praxisbeispiel darzustellen:

Wie schon im ersten Blogserienteil, ist auch hier das gut gepflegte Mitarbeiterprofil unsere Ausgangsposition.

Und so kann eine Umsetzung in einem gut funktionierenden Enterprise 2.0 aussehen:

  1. Stellenangebote werden Mitarbeitern aufgrund ihres Profils vorgeschlagen
  2. Die Stellenangebote sind von jedem in seiner Relevanz bewertbar – das lässt das System lernen
  3. Die Stellenbeschreibung sollte nach Vernetzungsgrad sortier- oder filterbar sein und sowohl aktuelle als auch frühere Kollegen berücksichtigen
  4. Anhand eines Statusupdates sehen die Mitarbeiter, wenn ein Kollege seine Position / Abteilung im Profil aktualisiert
  5. Die Suche nach Berufserfahrung, Keywords/Tags, Interessen, Vernetzungsaktivität und -nähe, aktuelle oder letzte Position/Karrierelevel, Ausbildung, Arbeitsort etc. lässt geeignete Job-Kandidaten finden
  6. Mitarbeiter-Informationen werden mit einer Tag-Cloud angereichert und zwar von den Themen, die von ihm/ihr veröffentlicht werden (z.B. über den Team/Mitarbeiter-Blog)
  7. Vernetzungsgrad des Experten zum Netzwerk des Vorgesetzten / sein eigenes wird angezeigt
  8. Ist der Mitarbeiter bereit sein Wissen zu teilen? Anzeige der Team-Kompetenz kann durch einen Aktivitätsindex.
  9. Aktuelle und frühere Kollegen, Projektmitglieder, Vorgesetzte können sich gegenseitig durch Referenzen empfehlen.

Die Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen sind:

  • Entlastung der HR: Abteilungsleiter können selbst nach Mitarbeitern suchen
  • Nachhaltige Kommunikation: Netzwerke werden entscheidendes Kriterium, auch für niedrigere Positionen
  • Einbinden von internem Know-how lässt externe Berater einsparen
  • Flexibilität: Stellen können schneller besetzt werden
  • Keine Fluktuation: Gute Mitarbeiter kündigen seltener wegen Unzufriedenheit – die Motivation und Bindung zum Unternehmen steigt sogar
  • Bessere Kandidaten werden für geringere Kosten gefunden

Intelligente Kommunikation kann somit nicht nur für den Mitarbeiter selbst von Bedeutung sein, sondern vor allem auch für das Unternehmen. Insofern die Möglichkeiten im Internet technisch miteinander verbunden sind, sind sie in einem Intranet sehr spannend. Mitarbeiterprofile zu erweitern kann schon ein erster Schritt in die richtige Richtung sein – nicht nur für Einsparungen sondern vor allem auch für motivierte und engagierte Mitarbeiter.