Die einen können es nicht mehr hören, und die anderen wollen es nicht wahrhaben: Social Media oder Enterprise 2.0 steht in der Tür ... auch in Deutschland. Was mich in den Dialogen immer wieder überrascht ist wie wenig Bezug bei der Diskussion zum echten Geschäftseinsatz genommen wird. Natürlich sind Begriffe wie Facebook oder YouTube spannender als Mitarbeitermotivation oder Reputationsmanagement. Aber jeder, der mal ein Unternehmen geleitet hat weiß, dass es den leichten Weg nicht gibt.
Der Social WorkplaceEin Thema, das mich bereits seit vielen Jahren fesselt, lässt sich am besten mit dem Begriff Social Workplace beschreiben. Damit gemeint ist die persönliche (daher soziale) Interaktion (Dialog) am Arbeitsplatz, und wie man dieses überaus wichtige Thema in die digitale Welt überführen kann.
Dieser persönliche Dialog bei einem Kaffee im Büro oder die kleinen Kommentare während einer Präsentation auf einer Konferenz sind es, die eine Bindung entstehen lassen. Und genau dieses Netzwerk an Bindungen ist es, auf das wir jeden Tag zurückgreifen, wenn wir etwas bewegen, erledigen oder verstehen wollen.
Man sollte dabei nicht den Fehler machen, das als "Klönen" abzutun. Das gehört auch dazu, aber viele Menschen begegnen sich kaum noch persönlich, sondern sind auf andere Kommunikationswege angewiesen, und genau hier greift das "Social" im "Workplace". Reisen sind teuer, oft unproduktiv und lassen sich nicht so spontan einrichten. Daher muss es unsere Aufgabe sein, diesen Dialog digital abzubilden.
Ansätze für den UnternehmensalltagGenau hier setzt die Idee des Social Workplace an! Wie schaffen wir Möglichkeiten zum Dialog für die Menschen in unserer Firma, die miteinander reden sollten, sich vielleicht aber gar nicht kennen oder bisher keinen Ansatz gefunden haben, in Kontakt zu treten? Hier hilft ein Grundinstinkt des Menschen : die Neugierde. Menschen möchten gerne wissen, was um sie herum geschieht. Jeder, der länger in einem Unternehmen ist, kennt die verschiedenen inoffiziellen Kommunikationskanäle.
Der Ansatz des Social Workplace schafft ein offenes Umfeld mit direktem Zugang zu allen relevanten Informationen. Aber er geht noch einen Schritt weiter und fördert den
Dialog über genau diese Informationen. Wobei wir hier nicht den Fehler machen sollten und Informationen zu eng zu definieren. Auch die Ergebnisse der Betriebssportmannschaften, der Gewinn eines großen Auftrages oder Umbaumassnahmen in der Fertigung sind Informationen, die wichtig sind und über die ohnehin jeder im Unternehmen spricht, nun eben auch digital.
Strategie: Top-Down oder Bottom-UpImmer wieder stellt man mir die Frage, wie wir damit anfangen sollten. Zentral von Seiten des Management oder aus den Abteilungen von unten nach oben. Die Anwort ist so einfach wie unbefriedigend: es kommt darauf an. Jedes Unternehmen hat seine eigene Kultur, und keine noch so gut durchdachte Idee kann dies ignorieren. Daher ist es so wichtig, dass man sich mit dem Thema strategisch befasst und nicht nur darüber nachdenkt, welche Tools wie Wikis oder Blogs man einsetzen soll.
Hier muss ich allerdings anmerken, dass mein Ansatz davon ausgeht, dass ein Unternehmen es wirklich ernst meint. "Einfach mal ausprobieren" ist zwar ein beliebter Rat unter Social-Media-Gurus, und ich habe das anfangs auch so vertreten, aber wir können ein so grundlegendes Thema nicht dem Zufall überlassen oder gar der IT. Meine Meinung hierzu ist mittlerweile sehr eindeutig: nicht jeder muss das machen, aber wenn, dann richtig. Falls man unsicher ist, sollte man einfach externe Hilfe in Anspruch nehmen.
Von oben, aber nicht von oben herabEine Sache liegt mir allerdings noch am Herzen. Dialoge erfordern Vertrauen. Wir kennen es aus dem Alltag, erst wenn man sich etwas vertrauter wird, tauscht man auch mal etwas persönliches aus. Gleiches gilt im Unternehmensalltag, erst wenn man sich sicher ist, dass die Idee, der Kommentar oder das Feedback ernst genommen wird, entsteht eine Kultur des Dialoges. Daher ist es wichtig, dass "die da oben" auch mitmachen.
Genauso wichtig ist es, dass im Dialog zunächst die Hierachien keine Rolle spielen dürfen. Wohl gemerkt im Dialog. Wenn es an die Entscheidungen geht, ist es immer noch unsere Aufgabe als Manager die Entscheidungen zu treffen und dafür auch einzustehen. Auch wenn immer von der Demokratisierung gesprochen wird, einer muss sagen, wo es lang geht. Das werden die Puristen im Social Media nicht gerne hören, aber in der Regel haben die auch noch keine ihrer Empfehlungen im Unternehmensalltag umsetzen müssen. Der große Unterschied für Manager liegt nun darin, zunächst zu moderieren, dann zu entscheiden und auch zu begeistern.
Präsentation: Alltagstauglichen Enterprise 2.0 im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung mit
netmedia und
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