Katharina Brogsitter

Der Arbeitsplatz der Zukunft- Eine Kolumne zu einem ganz persönlichen Blickwinkel

Katharina Brogsitter am 12. Mai 2015   Jetzt kommentieren




 Ich stelle mir eine Glaskugel vor, eine Glaskugel in der ich sitzen kann, WLAN habe, einen Kühlschrank für meinen Mittagssnack und eine Kaffeemaschine, damit ich bei der Arbeit fit bin.

Ich stelle mir eine Glaskugel vor, mobil, damit ich arbeiten kann, wo ich möchte, aber abgeschottet von den Geräuschen um mich herum. Vielleicht sollte diese Glaskugel auch ausgestattet sein mit kleinen Musikboxen, denn bei ruhiger Musik verfalle ich direkt in einen Rausch der Arbeit.

Ich stelle mir eine Glaskugel vor als meinen Arbeitsplatz der Zukunft, damit mein Wissen schon fast essenzartig in meine Arbeit hineinfließen kann. Ich stelle mir die schönsten Orte dieser Welt voller Glaskugeln vor, an denen Menschen unterschiedlicher Nationen arbeiten. Sie verbinden ihre Leidenschaft, nämlich neue Sachen zu erschaffen, zu entdecken, zu entwickeln mit dem Drang am Leben, an der Natur, an der Welt teilzuhaben. Paradox, sitzen sie doch alle in einer Glaskugel.

Die Möglichkeit, sich konzentrieren zu können, ist ohne Zweifel essentiell für Wissensarbeiten. Ich stelle mir aber auch die Frage, sind es nicht gerade die Einflüsse der Außenwelt, die die Gedanken von uns Wissensarbeiten in unserem Kopf herumspringen lassen, uns inspirieren auch mal nicht konventionelle Wege zu gehen und uns mit einem Geistesblitz maßgeblich vorantreiben? Haben wir nicht an den seltsamsten Orten plötzlich Ideen, von den wir schon lange eine Vorahnung hatten, ja sie fast schon anfassen, sie aber dennoch nicht greifen konnten?

Wir befinden uns in einem Spagat zwischen der Isolation auf der einen Seite und der Interaktion, dem Austausch als unsere Quelle der Eingebung auf der anderen Seite. Wir brauchen Räume, in denen wir unseren Geist ausschöpfen können ohne jegliche Unterbrechung. Doch wir benötigen ebenso Räume, in denen wir unseren Kopf mit neuen Anregungen wieder volltanken können. Wir brauchen sterile Räume für die volle Konzentration und wiederrum Räume der völligen Reizüberflutung für neue Geistesblitze.

Wissensarbeit erschöpft. Wie wir uns wieder revitalisieren, obliegt jedem selbst. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird mehr und mehr von Selbstbestimmung geprägt sein. In Zeiten von geistiger Überlastung und Ausfällen durch Burn-Out beispielsweise, Unzufriedenheit am Arbeitsplatz, weil die Bahn mal wieder streikt und der Arbeitsweg beschwerlich ist, sind alles Faktoren, die uns weniger Inspiration für die Wissensarbeit geben, sondern zusätzlich auslaugen und gleichzeitig den Arbeitgeber in die Knie zwingen, sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. Wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussieht, hängt schon lange nicht mehr alleine von dem Budget des Arbeitgebers ab.

Ich selbst habe das Glück, dass ich bei meinem jetzigen Arbeitgeber bereits selbst bestimmen darf. Zwar sitze ich noch an einem Schreibtisch und muss für meinen Kaffee in die Küche gehen, immerhin aber in meinem eigenen Reich. Man darf seinen Bildern im Kopf doch wohl mal freien Lauf lassen.

Ich stelle mir eine Glaskugel vor…

Dieser Beitrag ist inspiriert durch die Blogparade von The New Worker entstanden. Erfahren Sie mehr dazu unter Blogparade: die perfekte Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter