Tim Mikša

Digitale Empathie: Voraussetzung für erfolgreiches Leadership 2.0

Tim Mikša am 01. Februar 2012   Jetzt kommentieren




Das Thema Leadership 2.0 ist in den vergangenen Monaten verstärkt in der Wahrnehmung von Unternehmern und Führungskräften angekommen. Immer häufiger spreche ich bei unseren Beratungsprojekten mit Menschen in Führungspositionen darüber, welche Auswirkungen der Paradigmenwechsel in der Kommunikation auf ihre eigene Rolle hat. Die Bereitschaft zu einer neuen Führungskultur ist wichtige Voraussetzung für die notwendigen Veränderungen im Unternehmen. Dies wird inzwischen auch von traditionellen Unternehmen erkannt, die nicht “online” als Kerngeschäft betreiben. Auf der anderen Seite sorgt das Thema aber auch für viele Fragezeichen bei Vorständen und Abteilungsleitern, die unsicher sind, wie sie dieser Herausforderung begegnen sollen.

Der Leader 2.0 als Netzwerkmanager ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für den Social Workplace. Das Thema ist daher ein wesentlicher Baustein unserer Beratung, und wir werden nicht müde, dies auch bei unseren Vorträgen zu betonen. Vor kurzem bin ich dabei auf einer Veranstaltung gefragt worden, welche Fähigkeit die wichtigste sei, die ein Leader 2.0 innehaben muss. Darauf kann es keine allgemeingültige Antwort geben: Je nach Position, Art und Größe des Unternehmens oder der Abteilung als auch abhängig von der vorhandenen Firmenkultur wird die Anforderung der Rolle unterschiedlich geprägt sein. Dennoch gibt es aus meiner Sicht eine Eigenschaft, ohne die Leadership 2.0 nie funktionieren kann: Digitale Empathie.

Visionen und kommunikative Fähigkeiten reichen nicht
Für jede Führungsperson ist es eine wichtige Fähigkeit, visionäre Gedanken zu entwickeln und seine Vorstellungen und Ziele verständlich und nachvollziehbar zu kommunizieren. Die Bereitschaft, seine Ideen offen zur Diskussion zu stellen, Kritik anzunehmen, diese zu verarbeiten und in die Bewertung der eigenen Vorstellungen miteinfließen zu lassen, gehört ebenso zum Profil des modernen Managers. Visionärer und offener Führungsstil alleine reichen heutzutage aber nicht mehr aus. In den vergangenen Jahren habe ich oft erlebt, dass erfolgreiche Unternehmen und Teams vor allem von Personen geleitet werden, die ein besonderes Gespür für die Emotionen und sozialen Bedürfnisse der Menschen, mit denen sie zusammenarbeiten, besitzen.

Diese soziale Intelligenz ist für die zukünftige Rolle des Leaders als Netzwerkmanager eine wichtige Eigenschaft. Im Zeitalter des Social Workplace wird es jedoch noch zusätzlich darauf ankommen, die Emotionen, Stimmungen und Bedürfnisse auch auf digitalem Weg zu erkennen: “Wie tickt dieser Mensch, den ich nur durch Emails und Messages kenne? Wofür interessiert er sich? Was sind seine Bedürfnisse?” oder “In welcher Stimmung ist die Person gerade? Ist sie für mein Thema jetzt empfänglich?” Die eigene Kommunikation und Reaktionen müssen darauf abgestimmt erfolgen. Insbesondere bei der Nutzung von sozialen Medien im Unternehmen werden Leader besondere Vorbildfunktion innehaben und mit ihrem Verhalten die digitale Kommunikationskultur des Unternehmens prägen.

Dieser Aspekt wird meines Erachtens für den Erfolg des Managers der Zukunft entscheidend sein. Nur durch digitale Empathie und medienkompetentes Verhalten im Social Workplace wird er die notwendige Akzeptanz bei den Menschen im Unternehmen erreichen und als authentische Führungsperson anerkannt werden.

Der Weg zum Leader 2.0
Die Generation Y, die gerade erst in den Berufsalltag eintritt, verfügt bereits über Erfahrungen aus dem privaten Umgang mit sozialen Netzwerken. Diese Fähigkeiten gilt es in den Unternehmen zu nutzen und weiter zu fördern. Dennoch bedeutet dies nicht, dass diese Generation heutige Führungskräfte kurzfristig ersetzen wird: Leadership 2.0 erfordert auch weiterhin die klassischen Managementerfahrungen und -fähigkeiten. Nicht jeder Netzwerker ist ein Manager.
Vielmehr müssen sich Menschen in Führungspositionen der veränderten Herausforderung bewusst werden und sie annehmen. Aufgrund der Individualität kann es kein Handbuch oder vorgefertigten Leitfaden geben. Digitale Empathie ist eine persönliche Weiterentwicklung im Leadership 2.0. Sie wird nicht von heute auf morgen geschehen. In unseren Projekten unterstützen wir Leader durch Coaching und Mentoring auf diesem Weg und lernen selbst tagtäglich dazu. Daher freue ich mich jederzeit über den Austausch und Anregungen zum Thema.

Update: Für Entscheider und Führungskräfte aus Unternehmen bieten wir am 1. März 2012 gemeinsam mit der MFG @Akadmie Stuttgart einen Einstieg und Überblick zum Thema Leadership 2.0 in Form eines Tagesseminares an.