Bianca Gade

Enterprise 2.0 Akzeptanzstrategien

Bianca Gade am 09. September 2010   Jetzt kommentieren




Eine wesentliche Frage bei der Einführung von Enterprise 2.0 Systemen ist: Wie stellen wir es an, dass auch Karlheinz, der 57-jährige Bilanzbuchhalter, mit 40 Jahren Firmenzugehörigkeit, das neue Wiki nutzt? Eine pauschale Antwort gibt es natürlich nicht – aber Wege, die die Erfolgsaussichten erhöhen.

Der erste Eindruck
Einer der größten Erfolge von Google ist seine extrem aufgeräumte Suchmaschinenoberfläche. Der Nutzer sieht vor allem eins: Das Suchfeld. Anders als andere Suchmaschinen bediente sich Google der sympatischen Leere und das kam an. Nun sind die wenigsten Intranets mit Google zu vergleichen; und sollen auch gar nicht verglichen werden. Das Konzept des ersten Eindrucks zählt aber auch hier: Ansprechendes Design ist wichtiger als viele meinen – es ist der Punkt, der unserem Karlheinz erstmal angenehm auffällt. Alles andere wäre eine verschenkte Chance.

Features oder Bedienbarkeit?
Was dem IT´ler sein Freund, kann dem Benutzer sein Feind sein. Von den 345.612 Möglichkeiten ein Dokument zu bearbeiten hat er nämlich nicht viel, auch wenn jede einzelne noch so praktisch ist. Hier steht Praxisanforderungen vs. theoretischen Möglichkeiten. Besser zu viel als zu wenig? Seien Sie vorsichtig: Fühlt sich Karlheinz von den Anforderungen erschlagen, verliert er schnell wieder die Lust am teuren System. Selbiges gilt natürlich auch, wenn Sie eine Agentur für eine individuelle Programmierung beauftragen. Hier sollten Sie auf Bedienbarkeit achten – und vielleicht erst später neue Funktionen hinzunehmen. Gute Usability und positive User Experience sind die wesentlichen Voraussetzungen für Akzeptanz.

Es lebt nichts, wenn die Führung nichts vorlebt
Wo beginnt die Führung in der Hierarchie? Gehört dazu bereits der Gruppenleiter? Der Abteilungsleiter? Oder erst der Bereichsleiter bzw. die Unternehmensleitung? Von Mitarbeiter zu Mitarbeiter, von Gruppe zu Gruppe und von Team zu Team ist es jemand anderes. Es ist daher wichtig, dass vor allem die Unternehmensführung und möglichst jeder andere Vorgesetzte Enterprise 2.0 unterstützt, fördert und moderiert – ohne Kontrolle auszuüben. Falls Sie sich fragen, ob Hierarchie in Zukunft überhaupt noch ein Thema sein wird, schwenke ich die Kamera auf unseren Karlheinz: Ohne die Entscheidungskraft seines Vorgesetzten wird er finanzielle Entscheidungen nicht alleine tragen. Das bedeutet: Hierarchie ja, aber in seiner Ordnung anpassbar.

Wer lang sich wehrt…
Gutes braucht seine Zeit, das gilt ganz besonders in Bezug auf Kommunikation. Was am Anfang mit einer Strategiedefinition beginnt, führt eines Tages hoffentlich zu Offenheit und Transparenz – ganz speziell im Teilen von Wissen. Unser Karlheinz wird sein Wissen nicht an die Kollegen weitergeben, wenn er befürchten muss, noch vor der Rente seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Und kein jüngerer Kollege wird es in dem Misstrauen tun, dass andere seine Ideen für ihre Karriere missbrauchen könnten. Vertrauen baut sich nur auf, wenn helfen auch jedem selbst hilft oder zumindest nicht schadet. Die Aufgabe liegt beim Management, das Helfen anerkennend zu honorieren.

Fazit
Es sind vor allem Bedienbarkeit und antiautoritäre Führungsstile, die bei der Enterprise 2.0 Einführung Erfolg versprechen. Moderierend muss die Leitung immer wieder das Vertrauen untereinander fördern – getreu nach Tit-for-tat. Hiernach muss ein Vertrauensvorschuss kommen, der in vielen Fällen, auch in den oberen Führungsetagen, umdenken bedeutet.

Hinweis: Der Name wurde zufällig gewählt und dient nur als Beispiel

 

Kommentare

Stephan Scharff-Rahn
Hallo Frau Gade, wenn die Masse im Unternehmen nicht mitzieht, wird das nichts. Vor E20 waren es Softwarelösungen wie Groupware, interne Foren, usw. die durch schlechte Einführung keine Akzeptanz erlangt haben.


Bianca Gade
Vielen Dank für Ihr Feedback, zu dem ich Ihnen absolut Recht gebe. Erst wenn die kritische Masse erreicht ist, kann Enterprise 2.0 anfangen aufzuleben. Vermutlich liegt hier ein Henne-Ei-Problem vor – aber die Kultur positiv beeinflussen, kann meiner Ansicht nach, am besten die Unternehmensführung. Aber bitte mit Feingefühl :)


Grundlage für Enterprise 2.0 ist Akzeptanz – Strategien für Akzeptanz im Unternehmen « MasterSolution Blog
[...] Die besten Absichten zur Umsetzung von Enterprise 2.0 nützen nichts, wenn nicht jeder Mitarbeiter die Möglichkeiten und Vorteile von Enterpise 2.0 erkennt. Mit den richtigen Strategien werden die Hürden zur Umsetzung von Enterprise 2.0 kleiner und die Akzeptanz ist von Anfang an gewährleistet. Mit den folgenden Enterprise 2.0 Akzeptanzstrategien wird die zielgerichtete Umsetzung von Enterprise 2.0 erleichtert.Der erste Eindruck, Features oder Bedienbarkeit, Nutzung durch alle Hierachieebenen und andere Punkte fördern die Akzeptanz von Enterprise 2.0 – erfahren Sie hier mehr über die richtigen Akzeptanzstrategien für Enterprise 2.0. [...]


Karsten Ehms
Liebe Frau Gade. Schon recht nah an häufig anzutreffenden Unternehmensrealitäten. Interessant finde ich Ihre Annahme, Karlheinz unterscheide sich von seinem Vorgesetzten im Wesentlichen durch “Entscheidungsstärke”. Wie kann er dann durch Wissensweitergabe von einem jüngeren Kollegen bzgl. Karriere “überholt” werden. Hier lohnt es sich m.E. auch im Einzelfall genau hinzusehen bzw. nachzudenken. Für eine Einführung von Enterprise 2.0 Praktiken hilft in den meisten Fällen tatsächliches Vor-Leben durch die Führungskräfte. Nur Reden wird nicht viel bringen.


Bianca Gade
Hallo Herr Ehms,

 

vielen Dank für Ihr Nachhaken. Ich wollte mit dem Satz die Angst des jüngeren Kollegen ausdrücken, bzgl. Karriere übergangen zu werden. Ich hatte nicht die Absicht Bezug auf die Karriere von Karlheinz zu nehmen. Das war vielleicht etwas unglücklich formuliert.
Jedes Unternehmen und jeder Fall, muss sogar ganz sicher separat betrachtet werden. Da ist jedes/jeder ein bisschen anders. Und wie Sie zurecht sagen, muss es Taten geben, sonst bleiben es nur Worthülsen und Enttäuschungen.


 

Milos Vujnovic
Ich denke Enterprise 2.0 muss definitiv und unbedingt von der Top Management Ebene her unterstützt werden. Aber vielleicht wäre es ein richtiger Ansatz erst einmal die jüngeren Mitarbeiter ins Boot zu holen und diese davon zu überzeugen die Tools zu benutzen. Dies wird den jungen Mitarbeitern bis 35 sicherlich um einiges leichter fallen als älteren. Und wenn diese die Unterstützung durch Ihre Vorgesetzten deutlich spüren werden diese sich, obwohl vielleicht noch neu und unsicher im Unternehmen, deutlicher trauen, die Tools für sich einzusetzen. Dadurch könnte dann eine Art Lerneffekt der Masse stattfinden, indem die älteren Mitarbeiter sich von den jungen Mitarbeitern etwas abschauen und auf diese Art nch und nach lernen die Tools zu benutzen und die Enterprise 2.0 Kultur zu verinnerlichen.


Bianca Gade
Generell würde ich keine Altersgrenze einführen, sonst besteht immer die Gefahr, dass sich eine “Nerd-Elite” bildet. Das wäre genauso furchtbar, wie wenn man und nur Männer in die Testphase einlädt – zumindest für mich ;) Sie haben aber Recht, wenn Sie sagen, dass wahrscheinlich Jüngere, den neuen Kommunikationswegen offener begegnen als Ältere.


Alexander Stocker
Hallo Frau Gade – ich bin gerade durch Twitter auf Ihren Artikel gestoßen und wollte unbedingt einen Kommentar loswerden ;-)

Im Enterprise 2.0, bzw. im Zusammenhang mit (neuen) Informationssystemen ist der Nutzen aus der Technologie stets ein Resultat der Nutzung. Dabei sind zwei Aspekte im Zusammenhang mit Unternehmen besonders erwähnenswert:
- Gerade weil der potenzielle Nutzen (oft vor der Nutzung) noch völlig unbekannt ist, kommen viele Mitarbeiter erst gar nicht soweit. Sie beginnen oftmals erst gar nicht damit, eine Nutzung herbeizuführen. Es tritt dann kein Nutzen ein.
- Das Nutzengefühl tritt leider auch nicht sofort mit der Nutzung ein, sondern erst allmählich mit der Zeit. Viele Menschen nutzen die neuen Informationssysteme aber nicht lange genug, um überhaupt einen Nutzen daraus zu erkennen – sie hören vorher auf.

Leider sind genau diese beiden Aspekte nicht so einfach zu kommunizieren – und hier kann das Management im E20 tatsächlich einen wertvollen Beitrag leisten.


Bianca Gade
Hallo Herr Stocker,

das freut mich sehr, dass Sie zu uns gestoßen sind und ein Feedback hinterlassen :)
Sie sprechen da etwas sehr wichtiges an, was durchaus nicht einfach ist. Häufig ist dem Management selbst nicht der Nutzen bewusst, was das Thema nicht einfacher macht. Die Entscheidung muss meiner Meinung nach die obere Etage fällen – und sie konsequent umsetzen. Dabei kann auch eine Entscheidung sein, netzaffine Mitarbeiter in ihrem Tun zu stärken und zu fördern.

Viele Grüße