Tim Mikša

Enterprise 2.0 Studie: Geringer Reifegrad deutscher Konzerne

Tim Mikša am 04. März 2013   Jetzt kommentieren




Unsere Freunde von experience network haben mit dem Lehrstuhl für Innovationsmanagement und Entrepreneurship der Universität Potsdam in den vergangenen Monaten eine sehr interessante Enterprise 2.0 Studie durchgeführt, deren Ergebnisse ich mit Spannung erwartet habe. Ziel der Studie: Den Reifegrad von Konzernen bei der Einführung und beim Einsatz von Enterprise 2.0 zu messen.

Kern der qualitativen Studie war die Frage, welches die Erfolgsfaktoren für effektives Wissensmanagement durch Web 2.0 sind und wie diese in den Unternehmen heute berücksichtigt werden. Studienteilnehmer waren 26 internationale Konzerne und große Mittelständler, deren Erfahrungen in Form von Interviews gesammelt wurden. Teilnehmende Unternehmen unter anderem: Accenture, BASF, Bosch, Deutsche Bank, Deutsche Post, Deutsche Telekom, EnBW, E.ON, Fraport, Linde, Metro, RWE und VW.

Erfolgsfaktor: Management Strategie
Wenig überraschend ist der Konsens über die Erfolgsfaktoren, die sich sehr stark mit den Erfahrungen aus unseren Beratungsprojekten der vergangenen Jahre überschneiden. Wesentlichster Faktor ist hierbei die “strategische Verankerung bzw. Aufmerksamkeit durch das Management mit einem konkreten Sponsor”.

Erfolgsfaktor organisatorische und strategische Verankerung

Erfolgsfaktor organisatorische und strategische Verankerung

Auch die weiteren Erfolgsfaktoren für erfolgreiches Wissensmanagement durch Enterprise 2.0 laut Studie lassen sich daraus ableiten:

  • Personelles Commitment, also die Zurverfügungstellung von Ressourcen auf Unternehmensseite
  • Wissen teilen als (anerkannter) Teil der täglichen Arbeit
  • Businessorientierte Steuerung und Erfolgskontrolle
  • Entwicklung einer kollaborativen Unternehmens- und Führungskultur


Ergebnis: Geringer Enterprise 2.0-Reifegrad deutscher Konzerne       

Die Quittung, die die Studie den Unternehmen ausstellt, ist entsprechend: Kaum ein Unternehmen erhält Höchstnoten bei der Bewertung. Die Schwachstellen bei der Einführung von Enterprise 2.0 sind offensichtlich:

  • “Auch wenn das Teilen von Wissen von Unternehmen als eines der wichtigsten Unternehmensgrundsätze genannt wird, spiegelt sich dies nicht in einer starken Priorisierung von Wissensmanagement wider”
  • “Wissensmanagement mittels E2.0-Anwendungen wird stattdessen häufig als IT-Projekt (miss-)verstanden”
  • “Langfristige Konzepte der Partizipationssteuerung und Anreizsetzung sind nicht definiert”

Das Fazit der Studie liest sich entsprechend wie ein Plädoyer für den Social Workplace: “Die Investition in eine Anwendung ist dabei jedoch nur der geringste Teil der Wissensmanagement-Anstrengung. Vielmehr müssen Tools, Kultur, operative Zielsetzungen und Ressourcen in Einklang gebracht werden um mittels E2.0-Anwendungen effektives Wissensmanagement zu betreiben.” 

Es ist also noch viel zu tun! Die gesamte Studie gibt es hier zum Download. Wenn Sie sich für weitere Blogspost zum Thema interessieren: