Bastian Wilkat

Nachlese zur KnowTech 2013

Bastian Wilkat am 11. Oktober 2013   Jetzt kommentieren




Prof. Dr. Sievert und Horst Pütz präsentieren die Ergebnisse ihrer Studie

Prof. Dr. Sievert und Horst Pütz präsentieren die Ergebnisse ihrer Studie

Pünktlich um 17 Uhr schloss am Mittwoch die KnowTech 2013 ihre Pforten. Die Besucher gingen mit vielen neuen Ideen, Anregungen, neuen Kontakten aber auch mit einer Portion Nachdenklichkeit. Denn auch trotz vorbildlicher Organisation, hoher Themenvielfalt und spannenden Referenten, ein oft gehörter Kommentar war: "Irgendwie fehlte mir der Neuheitsgrad, es ist ähnlich wie letztes Jahr nur noch mehr vom Selben."

Doch fangen wir ganz vorne an. Neben Keynotes und Plenen bestand das Programm hauptsächlich aus Foren. Diese waren in folgende Leitthemen unterteilt:

  • Wissensmanagement und Social Media im Unternehmen - technisch-organisatorische Aspekte
  • Wissensmanagement und Social Media im Unternehmen - innovative Methoden und Einsatzbeispiele
  • Unternehmen und Organisationen im Social Web: Innovativ und nah am Kunden
  • Wissensmanagement und Social Media im Unternehmen - Managementaspekt
  • Innovativ zusammenarbeiten
  • Neue Technologien für Wissensmanagement und Social Media

Bei einem Thema waren sich alle Besucher und Referenten einig: Social ist wichtig und wächst weiter - Unternehmen können sich weiter dagegen wehren oder dem Druck proaktiv die Kraft nehmen und in eigenen Nutzen wandeln. Doch ist es wirklich so einfach, selbst wenn der CEO sein Commitment gibt? Die verschiedenen Praxisbeiträge zeigten: Nein.

Nach seinem Vortrag habe ich Frank Eberhard von der wibas GmbH zum Themenbereich der Unternehmenskultur und ihre Rolle bei der Einführung von Social Software im Unternehmen befragt. In seinem Vortrag stellt er nämlich die These auf, dass Kulturwandel VOR der Einführung einer Software stehen sollte, damit das Projekt erfolgreich wird. Andersherum könnte Software höchstens ein Anstoß für einen Kulturwandel mit ungewissem Ausgang sein. Erwähnenswert finde ich seine Sicht auf die Änderung von Verhalten. Die platte und wenig zielführende Version wäre, jemandem zu sagen: "Ändere dein Verhalten!". Sobald man die Bereiche (innere) Haltung, Verhalten und Erfahrung als einen Kreislauf versteht, lässt sich jedoch ein anderer Weg erkennen:

"Man handelt (Verhalten) und macht Erfahrungen aus denen eine Haltung erwächst. Indem man einem Menschen hilft, positive Erfahrungen zu machen (die Psychologie spricht laut Herrn Eberhard von 5 - 20 Erfahrungssituationen) wird er eine neue Haltung erlernen und sich deswegen neu verhalten!"

Die Change-Thematik war grundsätzlich sehr präsent auf der KnowTech. Warum auch nicht? Alle Arbeit ist Veränderung und jede Veränderung bedeutet die eigene Komfortzone zu verlassen. Dass das nicht einfach ist kann sicher jeder von Ihnen aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Spannend wird es jedoch, wenn wir den Fokus ein wenig größer ziehen. Mit dem Wirtschaftsjournalisten und Zukunftsforscher Erik Händeler sprach ich über seine Thesen zur "Kooperativen Arbeitskultur". Seine Kernaussage ist, dass der Strukturwandel hin zur Wissensgesellschaft neue Spielregeln für Produktivität hat. Mich hat speziell seine Ansicht zum Thema Social Software interessiert. Auf die Frage welche Chancen sich beim Einsatz von Kollaborations-Tools etc. realisieren lassen und ob es sich dabei um Elemente des neuen Systems handele, antwortete er:

"Nein, bei diesen Tools geht es zunächst um strukturelle Wissensverarbeitung. Ich habe einen Datensatz und will wissen was die Firma weiß und kann ins Intranet schauen. Aber wenn es darum geht eine bessere Lösung über den Verhandlungsweg zu finden, funktioniert das nicht."

Er bezeichnet den aktuellen Stand der verschiedenen Plattformen als Endkapitel der Informationstechnik, wo es um strukturierte Wissensverarbeitung geht. Irritiert stellte ich folgende fiktive Situation zur Diskussion: "Angenommen ein Mitarbeiter hat eine Idee, die das Unternehmen voranbringen kann und virtuell wird von allen Mitarbeitern darüber abgestimmt. Ist das nicht ein Zulassen von Unstruktur?" Darauf sagt er, dass die Tatsache, dass die Menschen hierarchieunabhängig gehört werden für die neue Wissensgesellschaft spricht, der Vorgang aber selber (also der digitale Weg des Votings) immer noch alt sei. Ist das Medium wirklich ausschlaggebend? Was meinen Sie?

Was Menschen in Organisationen über die Zukunft von Social denken, haben bis heute etwa 50 Studien untersucht. Auf der KnowTech präsentierten Prof. Dr. Holger Sievert von der MHMK und Horst Pütz eine neue, jahresaktuelle Erhebung. Viele Daten haben bisherige Annahmen bestätigt. Eine Aussage sorgte jedoch für Überraschung: Die 20-29 jährigen Mitarbeiter sind keine besonders auffällig verhaltende Gruppe in der Studie - weder in der Bereitschaft Social Software zu nutzen, noch in der Meinung zur Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen. Die Interpretation dieses Ergebnisses bleibt Ihnen überlassen.

Abschließend möchte ich noch die Session der Festo AG & Co. KG von Martina Gräber und Gerhard Peter erwähnen. Unter dem harmlosen Beitragstitel "Unternehmenskultur gestalten" verbarg sich nicht weniger als eines der innovativsten und einfallsreichsten Kulturprogramme, die ich bisher in einer Präsentation kennenlernen durfte. Vom Ansatz des Cultural Drawings zur Erarbeitung der Vision über unzählige internationale Workshops (Gesellschaften in 61 Ländern) bis hin zu einer unternehmensweiten Befragung (von 16200 Mitarbeiter) bei der Kulturdimensionen erarbeitet wurden, alles war anders als es im Lehrbuch steht und womöglich deswegen so erfolgreich. Sobald die Vortragsfolien auf der KnowTech Website hochgeladen sind, sollten Sie unbedingt einen Blick darauf werfen.

Das Fazit meiner ersten KnowTech:

  • Vorträge: 5/10
  • Gespräche: 9/10
  • Ergebnis: 7/10

Ich bin gespannt was sich bis zur nächsten Konferenz beim KulTool-Thema (dieser Neologismus sei mir verziehen) entwickelt und welche spannenden Praxisbeiträge es dann zu bestaunen gibt.

PS: Wir haben uns gefreut, dass mehrere unserer Kunden mit Vorträgen vertreten waren. Darunter waren die GIZ mit ihrem neuen Intranet und die Detecon International GmbH.