Jochen Adler

Soziale Vernetzung im Projekt- und Veränderungsmanagement

Jochen Adler am 07. März 2014   Jetzt kommentieren




Unser Beitrag zur Blogparade "Projekt- und Veränderungsmanagement" im Vorlauf zur CeBIT Social Business Arena (10./11. März 2014).

Mobiles Internet ist auf ungebremstem Siegeszug, und wer kein Verweigerer ist, ist heutzutage auf mindestens einer Plattform auch "sozial vernetzt". Unternehmen fragen sich, wo Chancen und Risiken der Vernetzung von Mitarbeitern liegen. Jeder Einzelne ist nicht mehr nur Empfänger, sondern gleichzeitig Sender und Kommentator, Autor oder sogar RegisseurMit den neuen Kommunikationsformen gehen in Gesellschaft und Wirtschaft auch neue Herausforderungen einher. 

Was kann man im unternehmerischen Projekt- und Veränderungsmanagement von Software-Startups und vom Social-Media-Dialog lernen? 

Projektmanagement: Alles noch "beta" 

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass viele web-basierte Tools als "Beta"-Version gekennzeichnet sind, obwohl sie am Markt längst etabliert sind? Digitale Start-Ups gehen schon lange dazu über, besonders innovative Produkte so schnell wie möglich zu "launchen" und im Kundeneinsatz weiter zu entwickeln. Wo Ingenieure alter Schule despektierlich von "Bananen-Software" sprechen ("reift beim Kunden"), liegen die Vorteile auf der Hand: Wer das kontinuierliche Feedback einer breiten Kundenbasis effektiv abarbeitet, erhält seinen Wettbewerbsvorteil und ist immer dort, wo alle sein wollen: nah am Kunden. 

Große, auf verschiedene Standorte verteilte Projektteams können sich mit heutigen Methoden eine gute Scheibe dieser Agilität abschneiden. Offene Kollaborationsplattformen laden einerseits zur Diskussion ein und ermöglichen die breite Beteiligung von Stakeholdern aller Ebenen, im Projekt und außerhalb, also auch auf Kunden- oder Abnehmerseite, in EchtzeitMit der Vielfalt der Blickwinkel und der Effizienz der Diskussion steigt auch die Qualität zentraler Ergebnisse, beispielsweise von Projektplänen oder KonzeptionenAndererseits sind spezialisierte Werkzeuge vorhanden, um angesichts der resultierenden Dynamik nicht den Überblick zu verlieren oder ständig Gefahr zu laufen, bereits getroffene Entscheidungen (gewissermaßen "basisdemokratisch") zu revidieren: Welcher Plan gibt die abgestimmte "Baseline" wieder? Zu welchem Termin ist dieser Meilenstein fällig? Welche Version der Folien wurde im Lenkungsausschuss gezeigt? Sind alle vorliegenden Review-Kommentare zum Dokument abgearbeitet? 

Dort, wAntworten auf solch zentrale Fragen jederzeit transparent und kollegial beantwortet werden können, da sprechen wir vom "Social Project Management": keine Utopie, sondern konkret erstrebenswert und mit heutigen Mitteln auch pragmatisch erreichbar. 

Veränderungsmanagement: Moderieren durch den Shitstorm 

Wo allerdings eine weniger klare Vision vom Zielbild herrscht als im Projekt, zum Beispiel bei Umstrukturierungen, Effizienzprogrammen oder Fusionen, da zeigt sich schnell die Kehrseite der umfassend vernetzten Echtzeit-Kommunikation. Hier lohnt sich ein Blick darauf, wie etablierte Konzerne inzwischen auf sozialen Plattformen wie Facebook oder Twitter den Dialog mit ihren Kunden und Stakeholdern suchen und organisieren. Die Kommunikationskanäle haben sich gewandelt, und mit ihnen die Werkzeuge der Unternehmenskommunikation. 

Kritische Kommentare werden nicht länger verschwiegen oder gemieden, sondern mit moderner Suchtechnologie aktiv und gezielt aufgespürt. Man weiß um den "Multiplikatoreffekt" in sozialen Netzwerken und geht dahin, wo es wehtut: Wenn es sein muss, mitten in den "Shitstorm". So bleiben negative Meinungen nicht unwidersprochen, Falsch- und Des-Information kann effektiv richtig gestellt werden. Wer je eine Debatte ums Thema "Zensur" im Netz verfolgt hat, hütet sich jedoch davor, unliebsame Meinungsäußerungen einfach zu löschen. 

Die Aktivposten im Unternehmen können wiederum gezielt identifiziert, aktiv mit Informationen versorgt und in ihrer Rolle als "Change Agents" gestärkt werden. Spielerische Elemente wie virtuelle Wettbewerbe, Mitarbeiter-Abzeichen oder Ideenkampagnen können eingesetzt werden, um der Konversation über anstehende Veränderungen eine positive Dynamik zu verleihen ("buzz"), Engagement zu fördern und das Momentum hoch zu halten. 

Fazit 

Neue Kommunikationsformen können, wenn man sie richtig einführt, die Effizienz der Diskussion und damit die Qualität zentraler Ergebnisse im Projekt- und Veränderungsmanagement erheblich steigernKnow-How und Erfahrung im Bereich Kundenservice bzw. Kundendialog zahlen sich hierbei aus: effektive Moderation und Kommunikation im virtuellen Raum sind längst zu Schlüsselqualifikationen für die Einflussnehmer und Führungskräfte von heute geworden.

Bildnachweis:  http://www.flickr.com/photos/smemon/5798045866