Kai Eric Fitzner

Als Subject to Change auf der TEDxRheinMain 2012

Kai Eric Fitzner am 08. Februar 2012

 

Wie nach dem großartigen Erfolg der ersten TEDxRheinMain im letzten Jahr nicht anders zu erwarten, legten unsere Freunde um Darren Cooper sich auch dieses Jahr mächtig ins Zeug, um einen mehr als würdigen Nachfolger ins Rennen zu schicken. Größere Location, umfangreicheres Programm, und mit mehr als 440 Anmeldungen auch eine deutlich erhöhte Teilnehmerzahl. Für all diese Energie und harte Arbeit nochmal ein herzliches Dankeschön. Statt die Agenda noch einmal zu rezitieren verweise ich auf die sehr schöne Beschreibung der einzelnen Programmpunkte auf Irene’s Words, deren Bewertung ich mich allerdings nicht in allen Punkten bedingungslos anschließen würde.

Das Thema dieses Jahr war Subject2Change, der Nummer 1-Hit der laufenden Social Workplace-Saison. (Ich habe versucht die der englischen Formulierung zugrunde liegende Doppeldeutigkeit in der Überschrift zum Ausdruck zu bringen - vielleicht funktioniert es ja.) Allerorten werden Veränderungen beschworen, die auf die Gesellschaft zukommen, und jedes Fachgebiet hat da seine ganz persönlichen Ansichten, Diagnosen und Arzneien. Da ist es nur plausibel, dass eine TEDx sich vor dem Hintergrund ihrer Kernthemen Technology, Entertainment und Design dieses Themas annimmt, wenngleich die spezifischen Erkenntnisse innerhalb dieser Disziplinen hinreichend bekannt sein dürften, stehen doch alle drei in einer Wechselbeziehung mit gesellschaftlichen Trends und Verwerfungen. Also geht es bei einer Betrachtung und Bewertung von Veränderungen immer um die gesellschaftlichen, also die den Menschen in Koexistenz mit seinen Artgenossen und seiner Umwelt betreffenden.

Ossi Urchs führte ebenso intellektuell wie geistreich in die Veranstaltung und legte die Latte für den folgenden Diskurs damit sehr hoch - für einige der nachfolgenden Sprecher zu hoch, was ich diesen allerdings nicht persönlich anlasten möchte. Wir leben nun einmal in Zeiten der Ökonomisierung der Gesellschaft und so sollte sich auch keiner wundern, wenn allmählich auch der Künstler anfängt, von Change und Change Management zu delirieren, frei nach der leicht irregeleiteten Grundthese der Aufklärung, dass man durchdrungen hat, was man benennen kann. In Betrieben und Unternehmen hat man sich darauf verständigt, dass man bei dräuenden Veränderungen einfach "Change" ruft so wie früher beim Autoquartett "Sticht" und alle sind glücklich, dass man nun etwas hat, was man managen kann. Das nennt man dann Strategie und garniert es mit Phrasen wie "der Mensch muss im Mittelpunkt stehen", "wir verwandeln uns in eine Publizierungsgesellschaft", "Banker sind auch Menschen" oder, meinem persönlichen Favoriten, "Am Ende des Tages geht es immer um … [hier beliebigen Begriff einsetzen]".

Abseits dieser von Hilflosigkeit motivierten Phrasendrescherei war sehr wohl zu merken, dass alle Sprecher auf Sinnfindungsmission in der sich wandelnden Welt unterwegs sind und allen klar ist, dass sich nicht nur etwas verändert, sondern dass das auch so sein muss. Wir wissen eben nicht, was geschehen muss, damit es besser wird, aber wir wissen, dass etwas geschehen muss, damit es gut wird. Diese Suche nach einem Sinn, die freudige Erwartung von substantieller Veränderung zum Guten, trugen diese TEDx und ihre Teilnehmer wie auch die Vortragenden. Denn allen gemein war die positive Belegung des Begriffs "Change".

Was von dieser Erkenntnis übrig bleibt, ist dies: die gesellschaftlichen Veränderungen durchdringen alle Bereiche unseres Lebens und damit auch die Geschäftswelt. Um sich sinnvoll mit dem daraus resultierenden "Change" auseinandersetzen zu können, müssen die gesellschaftlichen Veränderungen verstanden und begrüßt werden. Es geht nicht um die kontrollierte Filterung der in die Unternehmen driftenden Veränderungen, sondern darum, die eigenen Werte und Prozesse auf ihre Wandelbarkeit zu hinterfragen und den "Change" mit offenen Armen zu empfangen. Manche Änderungen lassen sich dabei vorhersagen, manche nicht. Aber Voraussetzung für ein Gelingen ist die hoffnungsvolle Erwartung, dass allem Neuen ein Zauber innewohnt, der uns zu begeistern vermag. Und diese Begeisterung zu entfachen ist wohl die Kür im Change Management unserer Zeit. Wohl dem, der Ratgeber hat, die diese Begeisterung am Leben erhalten!