Jochen Adler

Der Digital Workplace ist keine Revolution

Jochen Adler am 01. Oktober 2014   Jetzt kommentieren




Letzte Woche fand im Mediapark in Köln der IOM Summit statt, jährliches Klassentreffen der deutschen "Digital Workplace“ Berater und Praktiker. Ein harter Kern von 150 Akteuren in Deutschland, die leidenschaftlich die „Revolution“ vorantreiben, oft als Berater, etwas seltener auch als Vordenker in ihren Unternehmen. Häufige Protagonisten der einschlägigen Konferenzprogramme waren auch hier wieder vertreten: Continental, Bosch, BASF.

Es lebe die Revolution?

Da stellt sich die Frage: Was wäre, wenn im Saal der Blitz einschlägt? Wäre die „Digital Workplace Revolution“ in Deutschland dann gestoppt, abgemeldet, unbestimmt vertagt? Natürlich nichts von alledem. Denn die Frage ist längst nicht mehr „ob“, sondern „wie“.

Zahlreiche Praxisbeispiele fassen zusammen, was geht, bleiben dabei aber fest auf dem Boden der Tatsachen und hauen keinen Visionär vom Hocker. Im Gegenteil: Oft hat man den Eindruck, eine gewisse Langeweile macht sich unter den versammelten Experten breit. „Wir haben’s doch schon immer gewusst.“ „War ja klar.“ „Haben wir doch schon hundertmal gehört.“

Gerade das macht jedoch der Charme der unspektakulären, fast alltäglichen, aber teils mit großer Hingabe vorgetragenen Geschichten aus: vom Aufzugbauer OTIS, von Vössing, von Mitsubishi Electric, von DS Produkte. Überall dort machen Menschen jeden Tag ihre Arbeit, lassen sich dabei aber unabhängig vom jeweiligen Standort von einem digital vernetzten Arbeitsplatz unterstützen. Dort verantworten Menschen die Projekte, die genau das als ihren Auftrag sehen: die Arbeit besser zu machen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und die darüber ganz unaufgeregt berichten können.

Führt das also jetzt zu einem positiven oder einem negativen Fazit der Veranstaltung? Je nach Sichtweise.

Der "Digital Workplace" ist keine Vision mehr

Negativ fällt die Bilanz für die Evangelisten und Missionare aus, für diejenigen Berater, die nur ihre Vision vom Wandel für teuer Geld verkaufen wollen. 

An einen der Keynote-Visionäre wird denn auch die Frage nach dem „tipping point“ gestellt, dem Punkt, wo die Idee vom „Digital Workplace“ ihre „kritische Masse“ erreicht hat, nicht mehr umkehrbar, nicht mehr zu stoppen ist. „Der wird kommen“, orakelt er. Ach ja, tatsächlich?

Dabei ist der digitale „tipping point“ längst erreicht. Geht es denn wirklich noch um „digital" oder „analog“? Geht es noch darum, ein Team aus allen Standorten zusammen zu ziehen und es in einem Raum versammeln zu müssen, um effektiv zu sein? Geht es noch darum, ob „bereichsübergreifende Zusammenarbeit“ darin besteht, sich USB-Sticks zuzustecken?

Natürlich nicht. Nur „revolutionär“ ist an der Idee längst nichts mehr.

Klare Ziele, klare Aktionen

Auch wenn sie im Konferenzprogramm vielleicht nicht viel Neues erfahren haben: Bestätigt dürften sich durch die Veranstaltung die Pragmatiker fühlen, die nicht lang schwafeln, sondern einfach mal anpacken und ihr Unternehmen verändern. Die ein klares geschäftliches Ziel vor Augen haben: Die verteile Mannschaft soll effektiver werden, Projekte agiler, Arbeitszeit und Arbeitsort flexibler, das Unternehmen innovativer und attraktiver für junge Talente. Die präzise wissen, welche Anwenderfälle den Bedarf der Organisation treffen und das Heft des Handelns beherzt in die Hand nehmen. Und zwar nicht beginnend mit dem Traum von einem besseren Übermorgen, sondern heute, dann morgen, Schritt für Schritt.

Evolution statt Revolution

Willkommen in der Digital Workplace Evolution. 2014 in Deutschland: Mittendrin statt nur dabei.