Kai Eric Fitzner

Die digitale Gesellschaft und ihre Folgen für Unternehmen

Kai Eric Fitzner am 20. April 2011

 

Was sind die Erwartungen, wenn man zu einer Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft reist? Wie verliert man unter 3.000 Bloggern nicht den Überblick? Und was nimmt man aus Hunderten von Vorträgen zu Design, Flittern,Gamification, Copyright und Open Government mit, wenn man nach Anwendungsfeldern in Unternehmen sucht?

Oftmals vermag eine Keynote den Zuhörer auf das zu Erwartende einstimmen, aber in diesem Fall ließ mich Philipp Schäfers durchaus interessanter Vortrag zum Design Thinking etwas ratlos zurück. Sollte die Quintessenz „Design ist zu wichtig, um es den Designern zu überlassen“ so etwas wie das Motto der re:publica XI sein? Das mag als Aufruf an die digitale Gesellschaft seine Berechtigung haben – als Anreiz für Unternehmen, Interesse oder sogar Investitionsbereitschaft für Web 2.0-Lösungen zu wecken, taugt es nicht.

Wie machte es denn einer der wenigen Sprecher, der tatsächlich eine unternehmerische Sichtweise mitbrachte? Unter dem Titel „Wie Schwärme Marken, Märkte und Machtgefüge verändern“ legte Lichtblick-Chef Christian Friege dar, wie seiner Ansicht nach das Web 2.0 die Zukunft der Energie beeinflussen würde. Was durchaus ein spannender Vortrag hätte werden können, prallte am schnell genervten Auditorium spätestens nach der Frage, ob man das Cluetrain Manifest kenne, ab.

Hier schien zum ersten Mal durch, dass auf der re:publica  gewonnene Erkenntnisse nicht ohne weiteres auf die Unternehmenswelt übertragbar sein würden. Was war hier geschehen? Der CEO eines bei vielen Konferenzteilnehmern durchaus beliebten Unternehmens wollte der digitalen Bohème erklären, wie Web 2.0 im Unternehmen funktioniert. Dabei schien er sich nicht gewahr, dass er zu den selbst ernannten Vordenkern alles dem 2.0-Gedanken Innewohnenden sprach. Ein klassischer Fall von Fehleinschätzung der Zielgruppe. Bei der re:publica hätte man ihm höchstens durchgehen lassen, wenn er Referat-artig dargelegt hätte, wie sein Unternehmen bemüht ist, der digitalen Kultur, wie sie auf der Konferenz vorgedacht und vorgelebt wird, brav nachzueifern.

Und dieser Verdacht sollte sich am zweiten Tag bestätigen, als Gunter Dueck in seinem Vortrag “Das Internet als Betriebssystem der Gesellschaft”, der von vielen als die eigentliche Keynote empfunden wurde, die bereits laufenden Veränderungen der Arbeitswelt und des Zuschnitts von Berufsbildern konsequent weiterdachte. Der Professional von heute ist das Team-fähige, emotional intelligente, dynamische Multitalent, dass den Anforderungen der Arbeitswelt von morgen gelassen entgegensieht, weil sie ihn nicht schrecken können. Diese vernetzten Arbeiter leben den 2.0-Gedanken in die Unternehmen hinein, wenn man sie nur lässt.

Spätestens in Duecks Appell, man möge bitte das Web 2.0 mit mehr Leben füllen und nicht an einem Web 3.0 feilen, um sich so noch weiter von der eigentlichen Gesellschaft entfernen zu können, wird deutlich, in welchem Bezug die re:publica zur Unternehmenskultur steht: hier werden die Dinge vorgelebt und vorgedacht, die den modernen Arbeitsplatz auszeichnen. Es ist keine Trendbörse sondern der Erfahrungs- und Ideenaustausch von mündigen und erfolgreichen Webbürgern, die Unternehmen wie beiläufig aufzeigen, wie der soziale Arbeitsplatz auszusehen hat, damit das Umwerben moderner Professionals Aussicht auf Erfolg haben kann. Nicht mehr und nicht weniger.

Daher ist es unumgänglich, dass sich Unternehmen rechtzeitig mit der Gestaltung desSocial Workplace, der digitalen Arbeitsumgebung, beschäftigen, um ihren Mitarbeitern den Vernetzungsgrad anbieten zu können, den diese für Kommunikation und Zusammenarbeit heute und in Zukunft so dringend benötigen. Denn eines ist sicher: wer auf den hart umkämpften Märkten der Zukunft Erfolg haben will tut gut daran, sich die besten Talente zu sichern. Und die besten Talente von morgen sind die Digital Natives.

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