Bianca Gade

Enterprise 2.0 braucht intelligente Hierarchien

Bianca Gade am 27. August 2010

 

“In der Veränderung der Arbeitswelt setzt sich nur ein Prozess fort, der in der Renaissance seinen Anfang nahm, in der Aufklärung zur Blüte kam, in der Moderne kritisiert wurde und heute als Fakt akzeptiert ist: die zunehmende Individualisierung der Gesellschaft”. < Markus Albers in Meconomy >

Lebenswege sind heute nicht mehr vorgezeichnet, wie sie es noch vor ein paar Jahren waren. Die Umwelt ändert sich rasant und bildet  neue Wege, die man gehen kann – oder auch nicht. Viele der gefragtesten Jobs im Jahre 2010 waren 2004 noch gar nicht existent. Einige Ausbildungsberufe entwickelten sich erst durch die rasante Evolution der IT-Welt. Dieser folgten Rufe nach besseren Soft Skills, die sich hoch qualifizierte Mitarbeiter gut bezahlen lassen. Diese Mitarbeiter wissen um ihren Wert und erwarten daher immer  mehr, eigenständig und selbstbestimmt zu handeln. Ein Handeln, das es dem Einzelnen erlaubt, ganz er selbst zu sein.

Das Fließband wurde zum Symbol der Industrienationen und es fließt unabdingbar weiter in unseren Köpfen. Acht Uhr: Rechner an. E-Mails checken und schreiben. Telefonate führen. Formulare ausfüllen. Berichte und Protokolle schreiben. Besuche empfangen. Die To-Do-Liste wird abgearbeitet – im Akkord. Bis 17 Uhr. Dann ab ins Fitnesscenter. 20 Uhr nach Hause. Duschen. Essen. Private Korrespondenz. 23 Uhr ins Bett. Für Kreativität bleibt nicht viel, denn das braucht vor allem eins: Zeit. Kreativität gibt es nicht am Fließband, sie gibt es häufig nicht einmal am Schreibtisch, nicht von acht bis 17 Uhr, vielleicht nicht einmal unter der Woche. Ideen entwickeln sich dort, wo sie Platz finden. Sie entfaltet sich wie eine Blumenwiese, die ihre Blütenköpfe in die Sonne blinzeln lässt… Doch das Fließband im Kopf kämpft dagegen an.

Dabei sind Routine und Prozesse wichtig, sogar ein Großteil unserer Arbeit besteht daraus. Für deren Umsetzung hilft uns die klassische Unternehmenshierarchie – doch wo kommen die Ideen her, die umgesetzt werden sollen? Wo Ideen generiert werden, muss der Abstimmungsprozess vor allem eins sein: schnell. Das ist letztendlich ausschlaggebend für den Kampf um die Marktanteile. Hierarchien werden durch Enterprise 2.0 nicht verschwinden. Wir brauchen sie sogar. Die Kunst im Enterprise 2.0 liegt darin, das kreative Chaos in Wertschöpfungsprozesse zu integrieren.

Wenn sich Netzwerke nach außen intensivieren, muss es umso mehr Demokratie geben – das meinen auch Telekomvorstand Thomas Sattelberger und Prof. Peter Kruse in diesem Gespräch. Die Kunst liegt nicht nur darin, das Werkzeug zu nutzen, sondern sich vor allem deren Chancen klar zu werden. Die Werkzeuge beschleunigen den Change-Prozess eigentlich nur.

Das Leben wird immer die belohnen, die nicht einfach nur gut, sondern außergewöhnlich sind. Wir haben die Ideen in uns und wir sollten beginnen sie auszusäen – ohne Macht-Autoritäten aber mit einer intelligenten Hierarchie.

Kommentare

Matthias Tausendpfund

Brilliant! “Die Kunst im Enterprise 2.0 liegt darin, das kreative Chaos in Wertschöpfungsprozesse zu integrieren.”

Darf ich dich zitieren, Bianca?

Viele Grüße
Matthias


Bianca Gade

Brilliant! “Die Kunst im Enterprise 2.0 liegt darin, das kreative Chaos in Wertschöpfungsprozesse zu integrieren.”

Darf ich dich zitieren, Bianca?

Viele Grüße
Matthias


Hallo Bianca,

ein sehr interessanter Beitrag, zu dem ich mir ein paar Kommentare nicht verkneifen kann.
Hierarchien gehen mit Enterprise 2.0 nicht verloren, sondern Enterprise 2.0 löst Hierarchien auf, indem ihre Starrheit als Hindernis aufgezeigt wird. Das bedeutet nichts weiter, als dass Hierarchien flüchtig werden, sich ständig reorganisieren und damit ihre Statik verlieren. Wir beobachten da also gerade die Transzendenz von der Hierarchie zum Netzwerk (es ist Freitag und es regnet – da musste ich das einfach loswerden ;-) …).

Beste Grüße aus dem Norden
-Kai


Bianca Gade

Hallo Kai,

bitte niemals einen Kommentar verkneifen – auch wenn wieder die Sonne scheint. Das ist nämlich ein sehr guter Beitrag, der die Notwendigkeit des Umdenkens noch einmal stark verdeutlicht. Vielen Dank :)

Viele Grüße
Bianca