Bastian Wilkat

Kampf der Datenflut

Bastian Wilkat am 25. November 2013

 

Das meist erwähnte Symptom der Digitalgesellschaft: die Informationsflut. Das Überangebot an Information verlangsamt unsere Entscheidungsfähigkeit. Alles wird schneller, unübersichtlicher und die Möglichkeiten an Lebensentwürfen nehmen exponentiell zu. Einer ganzen Generation wurde vom „WELT-online“- Kolumnisten Oliver Jeges der Stempel "Maybe" aufgedrückt - damit meint er die 20 - 30 jährigen, die seiner Meinung nach aufgrund der Möglichkeitenflut das Entscheiden vergessen. Und auch auf der DNUG13, einer IBM-Anwenderkonferenz, wurde der Begriff inflationär verwendet. Leider eine unsaubere Verwendung.

"Informier' Dich und lies Zeitung!"

Fall 1: Man spricht von Informationen, die in der Zeitung oder auf Nachrichtenseiten im Internet veröffentlicht werden. Dazu kommt die Masse an Videos und Artikeln in den Social Networks, E-Mailschlachten im Job, Print-Newsletter von hiesigen Einzelhändlern etc. Das bezeichnen viele Menschen als Informationsflut. Dicht gefolgt von der Aussage, dass sie kaum zu bändigen sei.

Fall 2: Ein Kunde teilt mir telefonisch mit, dass der geplante Workshop in zwei Wochen aus Zeitgründen verschoben werden muss. Das werde ich als wichtige Information ansehen, da ich ansonsten in zwei Wochen beim Kunden vor verschlossenen Türen stehe.

Es muss also zwischen den relevanten und irrelevanten Informationen unterschieden werden. Machen wir es einfacher: Relevante Informationen bezeichnen wir ab sofort als Information und irrelevante Informationen als Daten. Die Systemtheorie schlägt folgendes Verständnis von Information vor: Eine Information entsteht im Bewusstsein des Menschen und kann deswegen nicht übertragen oder wiederholt werden. In jenem Moment, wenn ich eine Mitteilung bzw. Daten erhalte, mit denen ich etwas anfangen kann, entsteht in meinem Gehirn eine Information. Gerhard Wohland fasst es schön zusammen: „[Information] ist die Veränderung, die sich einstellt, wenn eine Mitteilung einen Unterschied hinterlässt.“

"Information ist das, was Du draus machst!"

Im Beispiel oben ist die Mitteilung des Kunden über die Terminabsage eine Information für mich. Auf dieser Basis handle ich: Statt den Workshop vorzubereiten, kann ich für den kommenden Vortrag recherchieren. Wenn mir kurz nach der Terminabsage ein Kollege mitteilt, dass der Workshop nicht stattfindet (der Kunde hat auch bei meinem Kollegen angerufen), führen die mir vermittelten Daten zu keiner Information, da ich sie ja schon kenne. Es ist also Datenmüll.

Wir halten fest: die Last, unter der viele Menschen leiden, ist eine Datenflut und keine Informationsflut. Aber wie verträgt sich diese Aussage damit, dass in vielen Organisationen darüber geklagt wird, dass zu wenig kommuniziert wird? Diese Frage unterstreicht noch einmal die Relevanz eines klaren Verständnisses über die Begriffe Informationen und Daten. Es wird durchaus viel kommuniziert, nur leider sind es zu viele Daten aus denen zu wenig Informationen werden. Ein etablierter Social Workplace bietet beste Voraussetzungen, diesem Dilemma zu entfliehen.

  • Microbloglösung mit Zeichenbeschränkung: zwingt, nur die Essenz mitzuteilen.

  • Hashtags: grobe Sortierung potentiell relevanter Themen.

  • Individuelle Startseiten (Social Dashboards): alle Daten werden nach festgelegten Regeln in einer Übersicht dargestellt.

  • Daten kommen direkt aus dem Netzwerk: zeitraubende E-Mailketten werden weniger

Der Diskussion um Daten vs. Informationen kommt derzeit vor allem bei wissensbasierter Arbeit eine ganz praktische Rolle zu. Doch auch in anderen Berufen und schließlich auf ganz persönlicher Ebene wird das Realität, was der Nobelpreisträger Murry Gell-Mann bereits 1997 prognostizierte. Der Physiker antwortete auf die Frage nach dem Einfluss der Digitalisierung in den kommenden 50 Jahre mit: “Pulling Diamonds from the Clay” (1) - Die Informationsdiamanten aus dem Datendreck gewinnen. Wagen Sie die ersten Schritte.

(1) Hans-Christian von Baeyer (2005): Information - The New Language of Science


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