Bianca Gade

Kann man ein Unternehmen wie ein soziales Gehirn betrachten?

Bianca Gade am 02. Juli 2010

 

Vor ein paar Tagen war ich über das Wochenende am schönen Bodensee auf dem Barcamp in Konstanz und hatte dort u.a. auch eine interessante Begegnung mit einem Doktor der Psychologie. Als Leiter der Abteilung für Kompetenzmanagement eines großen Konzerns, entwickelt er einen globalen Prozess um Experten zu identifizieren, die SOLL-/Ist-Kompetenzen zu evaluieren um die Mitarbeiter später organisationsweit zu vernetzen. Aus dieser Begegnung heraus erinnerte ich mich an einen sehr interessanten Video-Beitrag von Peter Kruse zur Frage: “Kann man eine Firma betrachten wie ein soziales Gehirn?”

Diesen Gedanken möchte ich in einer zweiteiligen Blogserie für die Praxis durchspielen, vor allem auch um eine Inspiration über den Nutzen von Enterprise 2.0 zu geben.

Definition Kompetenzmanagement:

Kompetenzmanagement hat die Aufgabe, Mitarbeiter-Kompetenzen zu beschreiben, sie transparent zu machen sowie den Transfer, die Nutzung und Entwicklung der Kompetenzen hinsichtlich strategischer Unternehmensziele sicherzustellen. (Reinhardt, K.; 2004).

Die Aufgabe ist es, die Potentiale zu erkennen, effektiv zu nutzen und für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit, notwendige Kompetenzen zu entwickeln. Im ersten Schritt werden ganz klassisch die Unternehmenskompetenzen untersucht und identifiziert. Dieses Verfahren muss das Unternehmensziel festlegen und sobald das steht, geht´s los:

Die Validierungsphase

Bei der Validierungsphase werden IST- und SOLL-Kompetenzen Mitarbeiter erfragt. Das Ergebnis ist das Know-how einzelner Mitarbeiter und ganzer Gruppen.

Ausschlaggebend ist das persönliche Mitarbeiterprofil: Während Weiterbildungsinformationen bisher streng kontrolliert bei der HR abgelegt wurden, findet im Enterprise 2.0 Prozess ein Zusammenwachsen der Daten statt. Nicht nur Profilbild, eMail und Telefon-Durchwahl werden von den Mitarbeitern selbst gepflegt, sondern auch besuchte Seminare, erhaltene Zeugnisse und erreichte Abschlüsse. Für die Validierung der IST-Kompetenzen sind zwei Dinge wichtig: 1. Das Kognitive Wissen und 2. die Soft Skills. Ersten Punkt splitte ich noch in: a) Kognitives Wissen erreicht durch klassische Ausbildung und b) …erreicht durch Berufserfahrung und Hobby. Das ist wichtig, denn Wissen durch Berufserfahrung und Hobby sind nicht immer leicht herauszukristallisieren aber oft entscheidend für bestimmte Aufgaben.

Wie Unternehmen mit Enterprise 2.0 internes Wissen validieren können

Der Mitarbeiter trägt Ausbildung, Weiterbildungsmaßnahmen und Seminare in sein Mitarbeiterprofil ein. Dabei bestehen beim Enterprise 2.0 folgende Besonderheiten:

  • Die Weiterbildung wird durch den Mitarbeiter kategorisiert, mit Stichworten versehen und über die Suche indexiert.
  • Die besuchten Maßnahmen sind transparent, also für jeden sichtbar
  • Die Maßnahmen können von allen kommentiert werden
  • Ein besuchtes Seminar kann über Kategorien, Tags oder die Suche gefunden werden.
  • Durch automatische Statusupdates wird jeder Mitarbeiter darüber informiert, wer von seinen Kollegen, welche Maßnahme besucht hat.
  • Gefundene Weiterbildungsmaßnahmen listen die Kollegen auf, die sie bereits besuchten oder sich dafür interessieren (z.B. in Form einer Wunschliste)

Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen

  • Die Neugierde der Kollegen wird geweckt
  • Der Dialog zwischen Mitarbeitern mit ähnlichen Interessen wird gefördert – das Netzwerk der Wissensmitarbeiter verdichtet sich, die Unternehmensintelligenz steigt
  • Der Experte kann seine Erfahrung weitergeben und findet Anerkennung bei seinen Kollegen
  • Schlechte Seminare werden nicht zweimal gebucht – passende Angebote kann sich der Mitarbeiter empfehlen lassen oder ihm wird davon abgeraten.
  • Aufwendige Mitarbeiterbefragungen und deren Auswertung könnten Großteils eingespart werden. Die Daten wären zudem präziser.
  • Seminargebühren sparen: Mitarbeiter sprechen sich besser ab und können so gemeinsam an der Maßnahme teilnehmen

Diskussionspunkte kann es in punkto Datenschutz geben, die aber durch gezielten technischen Einsatz, jeder Mitarbeiter selbst kontrollieren kann und sollte. Wie das Wissen über die Kompetenzen der Mitarbeiter weiter für das Unternehmen genutzt werden kann, werde ich am 12. Juli, im 2. Teil der Blogserie erläutern. Dann mit dem Thema: Recruiting im Unternehmen.