Kai Eric Fitzner

Katzenjammer, Sandzeitalter und Sonntagsnebel

Kai Eric Fitzner am 13. Dezember 2011

 

Das vierte Sandzeitalter und die Digital Natives schrieb ich über mein Abstract, weil die Welt davon erfahren muss, was gerade mit uns passiert. Einen philosophisch nachdenklichen Vortrag wollte ich halten, über Paradigmenwechsel und was das wirklich bedeutet, als mich die Kunde ereilte, die Veranstaltung hießeTedXYouth und richte sich an Kinder und Jugendliche. Mulmigkeit bemächtigte sich meiner als ich mich fragte, ob es möglich wäre, dieses Thema einer Gruppe von 12-17-Jährigen näherzubringen, so dass sie verstehen, was mein Anliegen ist. Oder würden die einfach unruhig auf ihren Stühlen herumruckeln und mich mit Papierfliegern bewerfen? Schließlich geht es ja darum zu klären, wie unsere Wahrnehmung der Welt um uns herum sich verändert, und den Feldstudien an meinen eigenen Kindern kann ich entnehmen, dass dies bei ihnen alle paar Wochen sowieso passiert, so dass die Verwunderung über diese Art der Veränderung sie nicht allzu sehr überraschen dürfte. Diese Erkenntnis war ein wenig desillusionierend, aber es gab kein Zurück. 

Was mich dann nach einer sonntagmorgendlichen Fahrt durch dichten Nebel (und die halbe Republik) sehr zufrieden stimmte war, dass weder nervös herumgeruckelt noch mit Papierfliegern geworfen wurde. Stattdessen waren die TeilnehmerInnen aufmerksam bei der Sache, auch wenn ich mir nicht sicher bin, dass das Konzept vollends durchgedrungen wurde. Aber das sollte nicht sonderlich verwundern, denn mehr als die Hälfte aller Erwachsenen scheint das auch nicht so richtig zu begreifen. Zumindest gewinne ich diesen Eindruck, wenn jemand meint, er könne einer Veränderung der Wahrnehmung der Welt, also einer Transformation unserer kognitiven Perzeption mit Change Management begegnen.

Jedenfalls war es zusätzlich zum Erwähnten meiner umwerfenden Müdigkeit (nach dem ebenso umwerfenden vorabendlichen Katzenjammer-Konzert in Bremen (auf Bild 69 kann man mich sehen)) und dem Übereifer des Restzeitkartenhochhalters geschuldet (5 Minuten hat er mir geraubt!), dass ich mit der Gedankenentwickung nicht ganz fertig wurde. Also reiche ich an dieser Stelle gerne noch ein paar erläuternde Worte nach.

Die im vierten Sandzeitalter anstehende Transformation bringt uns die Kommunikation vieler mit vielen. Was aus einer solchen Vernetzung heraus entstehen kann, ließ sich im ausklingenden Jahr in einigen Ländern der arabischen Welt vortrefflich beobachten. Dass diese neue Form der Kommunikation dabei Hierarchien umgeht, ist ein weiteres Merkmal dieser veränderten Art des Austausches. Und wir stehen erst am Anfang dieser Vernetzung.

Wie lange es noch dauern wird, bis Menschen aufhören instinktiv an Kontrollverlust zu denken, wenn sie von Vernetzung reden, wie lange sie optimierte Prozesse mit Intelligenz verwechseln werden, ist derzeit noch unklar. Paradigmenwechsel brauchen Zeit. Aber die nachfolgenden Generationen werden ein anderes Verständnis von Kommunikation in sich tragen und unser Auftrag ist es dafür Sorge zu tragen, dass sie die dafür erforderlichen Kompetenzen erlernen können, in den Unternehmen, in den Schulen und im täglichen Umgang miteinander. Veranstaltungen wie die TedX Youth sind sicherlich ein Beitrag auf diesem Weg. Dank an Darren Cooper und unsere Freunde von ifridge, dass ich dabei sein durfte.