Tim Mikša

Social im Unternehmen: Von "Hmmm" bis "Yippie"

Tim Mikša am 22. Oktober 2013

 

Was haben Menschen, die zu einem Change Management Kongress gehen für ein Bild von Führung im Social Business? Dieser Frage wollte mein Kollege Kai Fitzner in unserem Leadership 2.0 Workshop bei der Change Management Tagung der Deutschen Presseakademie auf den Grund gehen. Er musste schnell feststellen, dass wir uns vorher erst einmal darüber unterhalten sollten, was 'social' eigentlich bedeutet. Denn auch in Kreisen der Unternehmenskommunikation ist der Begriff zu einem nicht geringen Anteil mit Social Media gekoppelt und wird mit externer Kommunikation gleichgesetzt. Da das nicht unsere These ist (siehe mehr oder weniger alle Beträge in diesem Blog), musst zu Beginn des Workshops erst einmal ein kurzer Impuls zum Thema social her, der in einer belastbaren Definition mündete. Leider ist die Definition nicht annähernd so einprägsam wie belastbar.

"Social ist die Emotionalisierung digitaler Kommunikation." Das ist der Satz, mit dem wir seit einigen Monaten hausieren gehen, weil er zum Hinhören zwingt und zum Nachdenken anregt. Er unterscheidet nicht zwischen interner und externer Kommunikation und erwähnt explizit keine Werkzeuge, da diese sonst augenblicklich in den Fokus rücken. Außerdem haben wir ihn uns selbst ausgedacht.

In der Hoffnung, die emotionale Komponente würde in irgendeiner Form auf die Erwartungen an die Führungskraft übertragen, oder zumindest dabei helfen deren Wunscheigenschaften aufzuladen, starteten wir mit einer Umfrage, welche drei Charakteristika die Teilnehmer von einer Führungskraft erwarteten. Etwa 50 Befragte warteten mit 150 Begriffen auf, die sich nach einer großzügigen Clusterung auf 50 Einzelattribute reduzieren ließen. Im Schnitt hat also jeder Mensch mindestens eine ganz spezielle Anforderung an eine Führungskraft, die auf den ersten Blick niemand teilt. Woran mag das liegen?

Beim genaueren Blick auf die Begriffe, die tatsächlich Mehrfachnennungen bekamen, zeigt sich, dass diese aus dem Pressesprecherbaukasten stammen könnten. Verantwortung ist sicher eine der am ärgsten strapazierte Vokabel in diesem Zusammenhang. Zu häufig haben wir alle schon erlebt, dass in Situationen, in denen jemand für falsche oder fatale Entscheidungen zur Verantwortung gezogen wird, nicht die Führungskraft ihren Hut nehmen muss, sondern irgendein Bauernopfer. Aber natürlich lässt sich aus der Nennung des Begriffs bei anderer Lesart auch eine Sehnsucht nach Führung, die Verantwortung übernimmt, ableiten.

Im weiteren Verlauf des Workshops haben wir uns mit den potentiellen Auswirkungen sozialer Vernetzung in Unternehmen beschäftigt und auch hier einige interessante Dinge zutage gefördert.

In beinahe allen Fällen waren die Bedenken derjenigen, deren Unternehmen (noch) nicht sozial vernetzt sind, größer als die Hoffnung auf irgendeine Besserung, während bei den Teilnehmern, die sich bereits auf den Weg gemacht haben, die Sorgen weit hinter den positiven Aspekten zurückbleiben. Dass sich das Bild insgesamt noch mehr in Richtung positive verschiebt, wenn man statt Hoffnung und Bedenken die Perspektiven "Yippie" und "Hmmm" nennt, darf jeder für sich hobbypsychologisch auswerten. 

Was bleibt?
Ein spannender Kongress mit reizvollen Diskussionen und interessanten Erkenntnissen. Es zeigt sich wieder einmal, dass sehr viel Reibung auf dem Weg zum "Social Business" dadurch entsteht, dass die Begriffe nicht klar sind. Dass viel zu oft die gleichen Worte mit den unterschiedlichsten Bedeutungen verwendet werden, so dass die Kommunikation inhaltlich stehen bleibt, während stundenlang weitergeredet wird. Morphologisches und phonetisches Sprechen bar jeder Semantik. Dies bleibt die größte Hürde in unserem Schaffen, aber jeder Kongress, jeder Workshop, jedes Gespräch bringen uns ein Stück weiter auf dem Weg, die Unternehmen "social" zu machen.

 

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