Bastian Wilkat

Man braucht keine Software um Social zu sein

Bastian Wilkat am 11. Juni 2014

 

Dies ist der erste Teil der Artikelreihe: 5 Fakten von denen Ihnen kein Social Software Hersteller erzählen wird.

Bei den gängigen Definitionen um Social Business und Enterprise 2.0 geht es meist um die Anwendung der Prinzipien und Technologien aus dem Web 2.0 auf Unternehmen. Der Fokus lag lange auf der rein technischen Sicht à la "Wir brauchen ein Wiki". Immer mehr Unternehmen verstehen jedoch, dass auch die Bereiche "Mensch" und "Business" eine relevante Rolle spielen. Soweit so gut. Dennoch werden auch diese Bereiche stets aus technologischer Sicht getrieben: "Wie schaffen wir, dass Mitarbeiter dieses oder jenes Tool nutzen?" ist ein Klassiker in unserem Beratungsalltag.

Meine These: Man braucht keine Software um Social zu sein.

Sorgen Sie für Transparenz

Gewähren Sie Ihren Mitarbeitern soweit wie möglich Einsicht in tagesaktuelle Unternehmensdaten: Auftragseingänge, Ist/Soll Beschreibungen, Umsatzentwicklungen und Prognose, Kostenentwicklung der Verwaltung usw. Nicht irgendwo versteckt. Hängen Sie sie zentral sichtbar im Unternehmen auf. Ja erstmal analog. In Filialbetrieben dann entsprechend je Filiale. Dadurch entsteht ein größeres Verständnis für das tatsächliche Geschäft und für Wertschöpfung. Gerade für Mitarbeiter, die nicht täglich im Kundenkontakt stehen, kann die Arbeit ohne Blick auf den Markt extrem isolierend wirken.

Ich selbst habe mit 100%iger Transparenz (auch aller Gehälter) sehr gute Erfahrungen in Bezug auf unternehmerisches Denken und Handeln gemacht. Dass dieses Extrem nur für eine Hand voll Unternehmen Sinn macht, ist natürlich klar. Es gibt nicht DEN besten Weg. Aber das Schaffen von echter Transparenz im Alltag wird automatisch viele Änderungen zur Folge haben. Plötzlich spricht man miteinander über die Daten, statt übereinander auf Basis irgendwelcher Gerüchte.

Weitere Maßnahmen

  • Machen Sie alle Meetings freiwillig: diejenigen die erscheinen, haben dann auch echtes Interesse und bringen Themen voran. Das ist Vernetzung, die keinen Cent kostet, enormes Vertrauen und ein neues "Wir-Gefühl" schafft.
  • Führung qua Kompetenz statt Hierarchie: Lassen Sie diejenigen (mit)entscheiden, die Ahnung haben, unabhängig ihrem hierarchischen Status im Unternehmen.
  • Schicken Sie Ihre Prozesse auf Kur: Ziehen Sie Prozessbeschreibungen aus allem, wo kreative Entscheidungen erwirkt werden müssen. Entschlacken Sie nötige Prozesse soweit wie möglich (z. B. mit Prinzipien des Lean-Managements).
  • Prinzipien statt Regeln: Z. B.: Überleben geht vor Spaß geht vor Gewinn. Explizite Regeln sollten sich lediglich auf Prozessebene sowie im rechtlichen Bereich (Brandschutz, etc.) existieren.

Zwischenfazit

Gehen Sie nach dem Prinzip "Via Negativa" vor: Entfernen Sie Vernetzungsverhinderer (Intransparenz, zu viele Regeln, zu starres Festhalten an Hierarchien etc.) statt zu versuchen alles mit einer Software zu heilen!

Der zweite Teil folgt bald: "Social Software macht Unternehmen nicht produktiver!"