Bianca Gade

Netzkinder gegen Offliner - Interview mit Alexander Fuchs

Bianca Gade am 23. Mai 2012

 

Netzkinder gegen Offliner - Danke Internet. Das eBook das unser Praktikant Alexander Fuchs vor ein paar Wochen auf Amazon stellte, schlug Wellen. Hunderte verkaufte Exemplare überraschten selbst den Autor. Grund genug als Kollegin mal nachzuhaken um mehr über Hintergründe zu erfahren. Und auch darüber, wie sich so ein Netzkind seinen (künftigen) Arbeitgeber so vorstellt.

Bitte erzähle kurz etwas über Dich: Wer bist Du, wie alt bist Du und wo kommst Du her?

Ich heiße Alex. Ich bin 23 Jahre alt und komme aus Saarbrücken. Ich blogge seit einigen Jahren, habe mich ziemlich intensiv mit dem Internet beschäftigt und darüber ein Buch geschrieben.

Was hat dich bewegt das Buch "Netzkinder gegen Offliner - Danke, Internet!" zu schreiben?

Es geht um die Kluft zwischen Online- und Offlinemenschen. Das fing vor einigen Jahren mit der Diskussion über Killerspiele an und heute müssen wir uns immer noch Gedanken machen, wie wir Dinge wie ACTA abwehren können.

Es ging mir darum, die derzeitige Situation mal aus der “Nerdsicht” zu schreiben. Ein Perspektivenwechsel. Die Kunst bestand darin, das ganze Buch unterhaltsam zu verpacken. Ich bekam viel positives Feedback, dass mir das gelungen ist.

Ich habe versucht den Fokus auf die positive Dinge im Netz zu legen. Den meisten Menschen kann man den Umgang mit dem Internet und Computer beibringen. Leider ist unsere Netzpolitik eine Katastrophe, aber vielleicht retten die Piraten noch etwas.

Außerdem wollte ich immer mal ein Buch schreiben und testen, wie ich es ohne Verlag unter die Menschen bringen kann. Da bot sich Amazon und seine Kindle-Anwendungen an. Das kann ich damit abhaken. ;)

Glaubst Du, dass Du in Deiner Altersklasse und in Bezug auf das Internet die Regel oder eher die Ausnahme bist?

Ich bekam eine E-Mail von jemandem, der erschrocken war, wie genau ich seine Meinung und Werdegang getroffen habe. In Bezug auf das Internet bin ich sicherlich keine Ausnahme, aber wahrscheinlich in der Intensität.
Als Nerd sollte man sich darin wiedererkennen können. Schließlich macht das den Unterhaltungswert des Buches aus. Provokant, unterhaltsam und mit einem wahren Kern.

Du hast nun schon über 400 Exemplare Deines Buches verkauft und diskutierst kontrovers im Netz über Deine Ansichten. Gibt es Meinungen, die Dich zum Nachdenken brachten und die Du heute anders schreiben würdest? Wenn ja: Welche?

Alle Grundthesen habe ich in andere Form (z.B. von Gunter Dueck) schon gelesen. Man bekommt im Netz Dinge mit, wo herkömmliche Medien versagen. Es wird sich einiges gesellschaftlich verändern und ich empfehle es aktiv mitzugestalten.

Ich schreibe z.B. bringt den Kindern Lesen, Schreiben, Rechnen, Internet bei. Man findet im Internet Menschen, von denen man lernen kann und das auch als Kind in einer grauen Plattenbausiedlung.

Allein Wikipedia enthält unglaublich viel Allgemeinwissen für alle Menschen mit Internetzugang. Kein Wunder, dass sie Weltkulturerbe werden möchten. Firmen und Politik verschlafen gerade die Möglichkeiten des 21. Jahrhundert. Das spaltet unsere Gesellschaft in Online- und Offliner.

Ich würde heute den Teil im Buch über das Urheberrecht deutlicher schreiben bzw. die Ausschnitte, die veröffentlicht werden, besser kontrollieren. Da waren etwas einseitige Zitate dabei, die gerne falsch verstanden werden wollen.

Ich finde es gut, dass für Kulturgüter, in irgendeiner Form, im Internet bezahlt wird. Dafür aber die Internetüberwachung voran zu treiben ist ein No-Go. Dafür braucht man keine Vorratsdatenspeicherung, Abmahnindustrie oder Netzsperren. Kritikpunkte gibt es ausreichend.

Die Menschen wollen teilen und die Urheber Geld verdienen. Da kann man sich irgendwo in der Mitte treffen. Wer Geld im Internet verdienen will, der sollte das fair und auf Augenhöhe des Kunden machen. Dafür gibt es genügend positive Beispiele.

Leider krankt die Diskussion an einigen Missverständnissen. Man redet aneinander vorbei oder benutzt die gleichen Wörter, meint aber etwas anderes.

Mit 23 stehst Du noch am Anfang Deiner beruflichen Laufbahn. Solltest Du Dich nach Deinem Praktikum bei netmedia für ein anderes Unternehmen entscheiden: Welche Bedingungen würdest Du stellen, in Bezug auf Deine Arbeitsumgebung?

Ich komme ursprünglich aus einem anderen IT-Bereich und möchte mich in Richtung Web Entwicklung umsehen. Da ist das Praktikum eine gute Möglichkeit in den Job herein zu schnuppern.

Ich denke, die übliche Arbeitsumgebung sollte nur noch eine grobe Richtlinie sein. “Normalerweise machen wir es so, aber das kann jeder Mitarbeiter für sich selbst entscheiden.” Wenn man einen Mitarbeiter in einen kleinen Käfig voller Regeln steckt, verliert man nicht nur das innovative Potential, sondern erschwert damit auch seine Handlungsfähigkeit. Wenn man überall Beschränkungen einrichtet, breitet sich das auf die eigene Arbeit aus. Der Mitarbeiter soll dem Kunden verantwortlich sein.

Wir hatten einen Lehrer auf der Berufsschule, der uns die Arbeiten gegenseitig kontrollieren ließ. Sobald die Klassenarbeit fertig war, tauschten wir die Blätter mit unserem Banknachbar. Ein Schüler schreibt die Lösung an die Tafel und wir verglichen es mit dem Blatt vor uns. Rückfragen an den Lehrer wurden nicht beantwortet. Was ist falsch, richtig und wofür gibt es Teilpunkte? “Entscheide selbst.” Solange man es vor dem Lehrer rechtfertigen kann, ist es in Ordnung. Konsequenzen gibt es nur, wenn man bei der Geschichte geschummelt hat. Dann bekommt man die geschummelten Punkte doppelt abgezogen.

Ich denke in Zukunft werden solche Konzepte wie bei Valve interessant. Dort hat man die Möglichkeit intern die Stelle zu wechseln. Ich finde es schwierig die Tätigkeit im Voraus fest zu legen und sich ein Leben lang daran halten zu müssen. Ich habe viele Interessen von Websicherheit über Administration, Troubleshooting bis zum Social Media Teil. Da fällt eine Entscheidung schwer. Der Mitarbeiter sollte dort arbeiten, wo er dem Kunden am meisten nützt.

Solche Bedingungen erfüllen nur wenige deutsche Unternehmen. Im Saarland kenne ich keine Firma, die das nach außen kommuniziert, so dass ein potentieller Bewerber es überhaupt mitbekommen würde.

Ich danke Dir, für dieses Interview, Alexander :)