Tim Mikša

Ohne Kultur- und Organisationswandel kein Social Workplace

Tim Mikša am 04. April 2012   Jetzt kommentieren




Eigentlich könnte ich es mir einfach machen und mit Genugtuung feststellen: "Wir haben Recht behalten und die Unternehmen, die sich auf den Weg zum Social Workplace gemacht haben, handeln klug”. Aber zum einen weiß ich aus meiner Unternehmertätigkeit selbst nur allzu gut, wie schwer es aufgrund des Alltagsgeschäftes oft fällt, immer einen vorausschauenden Blick auf strategische Entwicklungen zu behalten. Zum anderen habe ich in den letzten 17 Jahren als Geschäftsführer quasi am eigenen Leib verspürt, wie sich die Änderungen in der Arbeitswelt auf die Anforderungen an die Rolle des CEO auswirken und welche Herausforderung dies bedeutet.

Es ist erstaunlich, mit welcher Dynamik der Paradigmenwechsel in der Kommunikation mit seinen geschäftlichen als auch gesellschaftlichen Auswirkungen heute schon auf Unternehmen trifft. Und wie wenig vorbereitet diese sind. Vor 2 Jahren wurden wir von Marketing- und Kommunikationsabteilungsleitern noch verständnislos angeschaut, wenn wir erläutert haben, dass ihr Vorhaben, sich der Kommunikation in sozialen Netzwerken zu öffnen, nur dann erfolgreich sein wird, wenn auch intern die soziale Vernetzung als Voraussetzung geschaffen ist. Unsere Prämisse, sich daher zunächst auf strategischer Ebene Gedanken zu machen, wie sich Unternehmenskultur und -organisation entwickeln müssen, wurde oft mit “Wir brauchen aber jetzt eine Facebook-Seite” und “Dafür stellen wir Social Media Manager ein” beantwortet.
Ähnliches hörten wir öfters in Gesprächen mit IT Leitern, die vom Management beauftragt worden waren, durch die Einführung von Social Software die interne Kommunikation und Zusammenarbeit zu verbessern. Ich erinnere mich an eine Reihe von Präsentationen aus dem letzten Jahr, wo CIOs stolz ihre monatelangen Evaluationsprozedere und Change Management Roadmaps für die zukünftige Enterprise 2.0 Architecture - natürlich unter der gewieften Maßgabe “User und Information” zusammenzubringen - präsentiert haben. Auf die Rückfrage, wie man denn bei den Menschen im Unternehmen die notwendige Motivation zum Teilen von Wissen und Vernetzung erreichen will oder welche Maßnahmen es hierzu auf Seiten der Führung gibt, gab es regelmäßig die Antwort “Das kann ich Ihnen nicht sagen, das macht bei uns die Kommunikation/das Marketing”.

In den letzten Wochen hören wir bei vielen Gesprächen ausführlich, welche Quittung die Unternehmen nun heute für das Aussitzen von Enterprise 2.0 erhalten: Social Media Manager, die völlig frustriert und überlastet sind, weil sie die Erwartungen der vernetzten Kunden kaum noch entsprechen können. Damit verbunden reihenweise Beispiele, wie die fehlenden internen Voraussetzungen den eigentlich positiven Effekt der erhöhten Kundenkommunikation nicht nur zunichte machen sondern auch fatale Auswirkungen auf Image und Business haben. Gleichzeitig klagen uns Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Ebenen ihr Leid, dass es auf Seiten der Führung keinerlei Bewusstsein für den Stellenwert einer Vernetzungskultur und für die notwendigen Änderungen des digitalen Arbeitsplatzes gibt und man auch nicht glaubt, dass sich in den kommenden Monaten etwas daran ändert.

Welche Auswirkungen das haben wird, kann man nach der aktuellen Gallup-Studie zum “Engagement Index Deutschland” schon erahnen: 23% der Beschäftigen haben innerlich bereits gekündigt, nur 14% verfügen über eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber und sind bereit, sich freiwillig für dessen Ziele einzusetzen. Als Ursache identifiziert die Studie die Unzufriedenheit mit dem Verhalten von Führungskräften und unerfüllte Erwartungen an den Arbeitsplatz.

Insgesamt stelle ich jedoch auch fest, dass mehr und mehr Unternehmen in Deutschland die Bedeutung der internen digitalen sozialen Vernetzung erkennen und mit unserer Unterstützung analysieren, welche Chancen und Auswirkungen sich daraus für ihre Mitarbeiter, ihre Arbeitsweise und ihr Geschäft ergeben. Aufgrund der Notwendigkeit einer neuen Unternehmenskultur, die insbesondere eine neue Führungskultur erfordert, und aufgrund einer wandelnden Organisation handelt es sich aber um ein strategisches Thema. Dafür muss die Wahrnehmung bei der Unternehmensführung geschärft werden, damit diese der treibende Motor hinter den Veränderungen sein kann.

Und ja: Für den C-Level sind die Veränderungen weitreichender und wesentlich schwieriger als von der IT eine Social Software im Intranet implementieren oder ein Unternehmens-Facebook umsetzen zu lassen. Es geht darum, die persönliche Rolle als Leader neu zu definieren und zu leben, damit sich eine neue Firmenkultur entwickeln kann. Bei unseren Impuls Vorträgen- und Workshops in Unternehmen erleben mein Team und ich jedoch stets überzeugende Begeisterung bei den Führungskräften. Daher macht es uns auch immer wieder Spaß, bei Unternehmern und Management die Initialzündung für das Thema zu geben.