Bianca Gade

Online-Reputation bedeutet Unabhängigkeit

Bianca Gade am 08. Februar 2010

 

Eine der wohl bedeutendsten Möglichkeiten, die Sie mit Social Media nutzen können, ist der Aufbau, die Pflege und die Analyse der eigenen Online-Reputation. Online-Reputation bedeutet Image, bedeutet „gesehen werden“, bedeutet aber auch subjektiv erlebt werden (positiv oder negativ) und bedeutet vor allem: Aufmerksamkeit. Das gilt sowohl für die persönliche Reputation, als auch für die geschäftliche. Gerade ein Unternehmen sieht sich mehr und mehr dazu verpflichtet, sich der Reputation im Netz zu widmen, gibt es doch gerade hier einen Markt, der von vielen erfolgreich genutzt wird. Unternehmen, die diesem Trend (und das Wort beschreibt nicht annähernd die eigentliche Wichtigkeit von Social Media, da es ein zeitliches Ablaufdatum suggeriert) nicht folgen wollen/können, müssen sich trotzdem darauf einstellen, bewertet zu werden. Denn eins ist klar: Die Leute reden über Ihre Marke, über Ihr Produkt, über Ihr Unternehmen. Ob nun mit oder ohne Sie.

Klassische Werbekampagnen ohne Informationsgehalt haben im Internet kaum mehr die Chance, im angemessenen Rahmen beachtet zu werden. In angemessenem Rahmen bedeutet, dass sich für das Unternehmen auch der gewünschte Erfolg zum investierten Budget einstellt. Was wurde uns früher gelehrt: Je höher der finanzielle Aufwand, umso mehr Beachtung wird einem geschenkt (es gibt Ausnahmen aber sagen wir mal, das ist nicht der Durchschnitt). Das sieht man z. B. bei einer Anzeigenschaltung: Je größer, umso mehr Aufmerksamkeit. Auch ist das in der Fernsehwerbung so: Je mehr Zeit bzw. je häufiger ein Spot gesendet werden kann, umso öfter lässt man den Zuschauer an das Produkt erinnern. Das beobachtet man auch in der Plakatwerbung: Je größer und präsenter, umso besser. Überall wo es einen begrenzten Rahmen an Zeit oder Fläche zu verkaufen gibt, kann an den Meistbietenden bzw. nach den Regeln von Angebot und Nachfrage verkauft werden. Anders ist es im Internet, denn hier sind wir alle unabhängig von Zeit und Raum. Hier hat jeder die Möglichkeit, an 7 Tagen die Woche und 24 Stunden am Tag etwas für seine Online-Reputation zu tun. Weltweit und sooft es seine eigene (eingeschränkte) Zeit bzw. seine eigenen Ressourcen es erlauben. Zum ersten Mal sind nicht die Anbieter diejenigen, die uns vorschreiben, wieviel wir für unser Geld bekommen, sondern wir selbst müssen für uns klar definieren, was uns die eigene Online-Reputation wert ist und was wir zu investieren bereit sind.

 

Kurios ist es im Netz manchmal schon. Wie ich gerade behauptet habe, unterliegt Werbung hier nicht der von uns jahrelang gelernten Regeln. Im Internet bringen nicht Sie die Information zum Leser, sondern der Leser findet sie. Der Leser beansprucht im Internet seine digitale Selbstbestimmung. Er bestimmt, für welche Themen er Informationsmaterial wünscht und akzeptiert im Laufe der Zeit immer weniger, dass ihm Produkte oder Dienstleistungen aufgedrängt werden (nach seinem Empfinden). Das bedeutet für Unternehmen nun strategisches Umdenken: Nicht Sie finden Ihre Kunden, der Kunde findet Sie. Und damit er das Unternehmen überhaupt wahrnimmt, heißt das im Umkehrschluss, dass das Unternehmen sich dort aufhält, wo der Kunde ist. Aber das bedeutet auch, dass man sich nicht erlauben sollte darf, dort seine Werbeinformationen ohne expliziten Mehrwert, rauszufeuern. Denn nicht nur, dass der Leser den Feed des Unternehmens mit einem Klick von seiner Timeline entfernen könnte, es hinterlässt nicht selten auch einen bitteren Beigeschmack und damit ein schlechtes Gefühl. Und das ist sicherlich nicht im Sinne des Erfinders.

Was ist also wichtig beim Reputation Management?

1. Hören Sie aktiv zu, was die Leute zu sagen haben.
2. Kommunizieren Sie auf Augenhöhe.
3. Analysieren Sie auch, wo was gesagt wird.
4. Bauen Sie sich ein Netzwerk auf.

Von manch einem wurde ich schon gefragt: Schadet es dem Unternehmen nicht, wenn es sein Wissen kostenlos zur Verfügung stellt? Worauf ich gern entgegne: Erstens gibt es schon immer die bestehenden Datenschutz- und Geheimhaltungsbestimmungen, und zweitens kann ein Unternehmen durch Webpublikationen nicht all seinen Lesern, Hörern oder Zuschauern alle Fragen beantworten (außer vielleicht, Sie setzen sich über den ersten Punkt hinweg). Ein bisschen Gratwanderung ist es schon, aber es ist vor allem auch eins: Die Chance sich als Marktleader zu positionieren und so dem Wettbewerb durch eine eigene positive Online-Reputation eine Nasenlänge voraus zu sein.

Kommentare

Andreas

Sehr, sehr weise Worte von dir Bianca!

Ich nenne in diesem Zusammenhang gerne die Juchem Gruppe siehe (juchem.de) inkl. Andrea Juchem. Sie und ihre Firma haben es verstanden das Web sinnvoll zu nutzen.

Jede Firma und Marke die bzgl. Online-Reputation und Web 2.0 – Nutzung auch im Unternehmen noch Fragen hat, sollte sich diesen Beitrag durchlesen und sich die Firma Juchem anschauen!


Bianca Gade

Hallo Andreas,

vielen Dank und ich freue mich, dass Dir der Beitrag gefällt. Und ich gebe Dir absolut Recht: Andrea weiß sich sehr gut im Web 2.0 darzustellen – ob persönlich oder geschäftlich und ist daher sicher ein Musterbeispiel eines guten Reputation Managements.


Tweets die netmedia schreib.blog » Blog Archive » Online-Reputation bedeutet Unabhängigkeit erwähnt -- Topsy.com
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Bianca Gade, Klaus-Dieter Knoll, Radek Suski, Radek Suski, netmedianer GmbH und anderen erwähnt. netmedianer GmbH sagte: New Blogpost: Online-Reputation bedeutet Unabhängigkeithttp://ow.ly/153B3 #ReputationManagement #socialmedia ^bg [...]


H. Friedhauser
Sehr gut recherchierter Blogpost, ist Dir sehr gut gelungen ;) Muss noch anmerken, dass ich Deine Beitraege nun schon lange in meinem Feedreader habe und immer wieder gerne hier lese.
Zu diesem Beitrag kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen!
Ich freue mich schon sehr darauf mehrere Artikel hier lesen zu duerfen!
Viele Gruesse!
Andrea

Toller Artikel Bianca. Beim Lesen dachte ich etwas wehmütig, hmm aber mit uns (als Unternehmen) redet in der Web 2.0 Welt noch niemand so richtig und dann lese ich die Kommentare und werde erst mal rot. Danke an @Andreas für den netten Kommentar und dir für die nette Antwort.

Wie richtig du mit deinem Artikel liegst, zeigt auch, dass jeden Tag mehr Unternehmen das bloggen und twittern entdecken. Und auch wenn viele unserer Kunden noch nicht unbedingt diese Tools für sich entdeckt haben, ich spreche jetzt vornehmlich vom B2B Bereich und nicht vom B2C, dann möchte ich auf alle Fälle eins sicherstellen, wenn sie bei Twitter ankommen sollen sie uns finden können. Bis dahin werde ich es nicht aufgeben interessante Links zur Lebensmittelthemen und zur Landwirtschaft in die Welt hinaus zu zwitschern.

Wenn mir jetzt jemand beruflich folgen möchte: @JuchemFood und @schlauerbacken :-)