Bastian Wilkat

Social Software verbessert nicht Ihre Unternehmenskultur!

Bastian Wilkat am 29. Januar 2015

 

Dies ist der dritte Teil der Artikelreihe:5 Fakten von denen Ihnen kein Social Software Hersteller erzählen wird. 

Seit dem letzten Teil sind einige Monate vergangen. Oft saß ich mit Kunden oder potenziellen Interessenten zusammen, die sich Gedanken über die digitale Vernetzung der Menschen in ihren Unternehmen machten. Auf Geschäftsführungsebene sagte mir jemand, dass er ein Tool suche, um seine Mitarbeitenden zielführender zu erreichen, sowie mehr Feedback zu erhalten, als mit Massen-E-mails. Statt direkt in eine Softwareauswahl zu starten, fragen wir früh nach dem „Warum?“, um zu überprüfen, ob die Antwort „Tool“ überhaupt richtig ist. Im konkreten Fall war der Antrieb: „Ich möchte unsere Unternehmenskultur durch ein solches Tool verbessern“.  

Am besten ziehe ich den Zahn direkt. Eine Social Software verbessert keine Unternehmenskultur. Nichts in der Welt verbessert eine Unternehmenskultur. Sie ist schlicht Abbild von bestehenden Verhältnissen. Hören Sie auf an so einem Meta-Objekt herumzudoktern. Sie versuchen doch auch nicht die Sonne zu ändern, weil es Ihnen zu warm ist. Sie suchen sich dafür ein schattiges Plätzchen oder ziehen ihre Jacke aus. Die Sonne ist nicht per se gut oder schlecht. Bei einer Grillparty mit kühlen Getränken und guten Freunden, ist sie willkommen. Wenn Sie bereits drei Tage hintereinander in der 40° heißen Sonne gebrutzelt haben, ohne dass Sie Sonnencreme verwendeten, ist sie eher unerwünscht. Unternehmenskultur ist auf Ebene der Auswirkungen der Sonne ähnlich: kontextabhängig beeinflusst sie positiv oder negativ. Der Hauptunterschied ist allerdings, dass sich eine Unternehmenskultur durch Veränderung der Verhältnisse (also des Verhaltens verschiedener Menschen im Unternehmen) auch verändert. Die Natur der Sonne kann niemand beeinflussen. 

Versetzen Sie sich kurz in die Rolle des obigen Geschäftsführers. Bevor Sie sich ein Ziel setzen, hinterfragen Sie kritisch, woran Sie den Veränderungsbedarf festmachen. Werden die Mitarbeitenden tatsächlich kaum erreicht (wenn sie z.B. ihre E-Mails nicht öffnen)? Haben Sie mit ihnen gesprochen woran es liegen könnte? Erhalten sie evtl. nur deswegen wenig Feedback oder weil die Mitarbeitenden schlicht nicht wissen, dass Feedback erwünscht ist? Wie Sie sehen, existieren viele Fragestellungen, die Sie zunächst hinterfragen sollten, bevor Sie auf das Thema „Tool“ schauen. Und bei diesen Fragen spielt die Unternehmenskultur durchaus eine wichtige Rolle. Bei einer von konservativen Werten geprägten Kultur, stoßen Sie auf andere Phänomene als bei einer nicht von konservativen Werten geprägten Kultur. Da Kultur nicht explizit ist, bringt es jedoch nichts zu sagen, dass ab sofort "eine von Transparenz geprägte Kultur herrscht". Das ist Heuchlerei. Andersherum wird ein Schuh draus: Transparentes Verhalten wird gefordert und gefördert - dadurch wiederholen sich Verhalten (die Kommunikation wird anschlussfähig), wodurch auch die Unternehmenskultur sich ändern wird. Nur ob in die gewünschte Richtung lässt sich nicht endgültig sagen. Es handelt sich um ein soziales System, keine Maschine. 

Wenn Sie also in den Werbeprospekten von Social-Software-Herstellern lesen, dass ihre Lösung die Unternehmenskultur verbessert, verbuchen Sie das einfach unter Marketingsprech. Das einzige was Sie bzw. Ihre IT zu interessieren hat, sind Funktionen und technische Angaben. Bei Fragen zu tatsächlichen Potenzialen im Unternehmen sind wie gezeigt ganz andere Faktoren relevant. Und genau an dieser Stelle kommen wir ins Spiel und helfen Ihnen gerne weiter.