Kai Eric Fitzner

Usergroup Herbst 2012

Kai Eric Fitzner am 20. November 2012

 

Der lange Weg zum Social Business

Usergroup-Herbst 2012. Zwei Usergroups, zwei Geburtstage. Waren wir netmedianer im September noch mit einer Keynote bei der OWUG zum 10jährigen Bestehen zu Gast, so durften wir am 8. November zum 18. Geburtstag der DNUG einen weiteren Vortrag zum Thema Kulturwandel in der Geschäftswelt halten. Wieder ging es um die drei Phasen der Wahrnehmung, die einem Wandel aus sich selbst heraus im Weg stehen, weshalb es Unternehmen mit starker Abgrenzung von Abteilungen einfach nicht gelingen will, sich am eigenen Schopf aus diesem hierarchischen Sumpf zu ziehen, in dem der allerorts geforderte offene Dialog steckt. Bei beiden Veranstaltungen war im Nachgang ein erheblicher Gesprächsbedarf zu den kulturellen Veränderungen in der Unternehmenswelt zu verzeichnen.

Mit freundlicher Genehmigung der DNUG

Mit freundlicher Genehmigung der DNUG

Nun ist eine Usergroup eine Interessenvertretung von Anwendern - Kunden und Partner gleichermaßen - einer bestimmten Software, im Idealfall auch Sparringspartner für den Hersteller dieser Software. In diesem Kontext ist es nicht ganz einfach zu ergründen, warum Kulturwandel in der Geschäftswelt auf solchen Tagungen überhaupt Thema sein sollte. Dabei dokumentiert kaum eine Branche die Veränderungen so drastisch, wie die der Softwareschmieden. Im Fall der OWUG können die Aktiven Opern darüber singen, mussten sie doch aufgrund dieser Dynamik den Namen von RedDot User Group zum etwas sperrigeren OpenText Web Solutions User Group ändern. Und da das Mutterschiff der ehemaligen RedDot Solutions den Nachfolger der Software in einem neuen Unternehmenszweig platziert hat, stünde eigentlich die nächste Umbenennung in OpenText Web Site Management User Group (OWSMUG?) an. Vielleicht täte man aber auch besser daran, den alten Namen vorläufig zu behalten und die Halbwertszeit des neuen sorgfältig zu beobachten. Und das sind nur die formalen Veränderungen.

Auch bei der DNUG (Deutsche Notes Usergroup) stehen Veränderungen ins Haus, die möglicherweise auch zu einer Umbenennung führen könnten und dabei spielt der Hersteller IBM eine signifikante Rolle. IBM hat in den letzten Jahren die Veränderungen in Unternehmen hin zu mehr Kollaboration und offenerem Austausch beobachtet und mit den neuesten Ablegern aus der Notes Familie viele Anstrengungen unternommen, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten mit dem Ergebnis, dass IBM als einer der Vorreiter in diesem mittlerweile landauf-landab unter Social Business bekannten Bereich wahrgenommen wird. Mittlerweile möchte kaum ein Softwarehersteller noch ohne irgendein Social-Offering dastehen, aber keiner liefert Antworten auf die Fragen nach der erfolgreichen organisatorischen Umsetzung. Diesen Gedanken hat die DNUG aufgegriffen und öffentlich diskutiert, ob man sich von der alleinigen IBM-nahen Interessengemeinschaft hin zu einer Herstellerübergreifenden Social Business-Gemeinschaft wandeln kann und sollte.

Die Ansichten und Meinungen zu diesem Thema waren naturgemäß ambivalent. Auf der einen Seite wurde befürchtet, die starke Position der IBM gegenüber könnte so verwässern. Dem Gegenüber stand die Erkenntnis, man müsse der Realität ins Auge sehen: es gibt kaum Unternehmen, die auf eine homogene Systemlandschaft aus der Hand nur eines Herstellers setzten. Darüber hinaus setzte sich die Erkenntnis durch, dass Social Business auch aus Sicht einer Usergroup ein Thema sein muss, das nicht mehr primär in der IT anzusiedeln ist. Zwar sind es oft noch immer die IT-Abteilungen, die das Mandat für eine Transformation erhalten, jedoch ohne dass ihnen die Kompetenzen, das Budget oder das Know-How zugestanden werden. Ohne strategische Positionierung im Unternehmen muss dieser Ansatz scheitern.

Wir sind sehr froh, dass wir mit unserem Beitrag auf der DNUG-Konferenz das Thema Social Business kulturell beleuchten konnten. Es muss gelingen, die Kommunikationshürden in Unternehmen zu überwinden und die so dringend erforderliche offene Kommunikation und Kollaboration von der funktionalen Hierarchie zu entkoppeln. Das haben viele Mitglieder der DNUG und auch der OWUG verstanden. Beide Usergroups werden diesen Weg gehen und versuchen, der Technologie den Weg durchs ganze Unternehmen zu bahnen und nicht in ausgewählten Abteilungen hängenzubleiben. Gleichzeitig werden sie beginnen, anders als bisher auch strategisch auf die Hersteller einzuwirken. Wir werden sie auf diesem Weg gerne mit Rat und Tat weiter begleiten.