Katharina Brogsitter

Social Collaboration: Betriebsrat nicht vergessen!

Katharina Brogsitter am 19. August 2015   Jetzt kommentieren




Das neue Social Intranet unseres Kunden stand kurz vor dem Launch. Die Einhaltung des Zeitplans sah wirklich sehr gut aus. Bis zu dem Moment, als unser Kunde uns die Botschaft verkündet hat, dass ab kommender Woche die ersten Gesprächsrunden mit dem Betriebsrat für die Betriebsvereinbarung beginnen würden. Zwei Wochen vor offiziellem Start für das neue Intranet.

Ein offenes Berater-Kunden Verhältnis ist wichtig
Das irritierte uns. Hatte unser Kunde uns doch lange ein anderes Bild vermittelt. Das Projekt wurde im Vorfeld zwar auf Betriebsversammlungen vorgestellt, jedoch wurde sich nicht frühzeitig um die Betriebsvereinbarung gekümmert. Bisherige Präsentation hatten immer einen sehr allgemeinen Fokus, gingen aber wenig ins Detail. Es gab somit noch viele Fragen des Betriebsrates zu klären. Noch nie haben wir ein Projekt erlebt, in dem es innerhalb von zwei Wochen gelang eine Betriebsvereinbarung für das neue Social Intranet zu erstellen. Der geplante Launch Termin war in Gefahr. Aus eben diesem Grund ist dieser Artikel ganz besonders interessant für alle Projektverantwortliche, die ein Social Kollaborationsprojekt planen und einen Betriebsrat im Unternehmen haben.

Unsere Ablaufempfehlung
Der Zeitpunkt zu dem wir in ein Social Plattform Projekt dazu kommen, variiert sehr stark. Die optimalste Situation ist, wenn wir von Projektbeginn an unterstützen dürfen. Warum? Wir haben von Anfang an die Möglichkeit unseren Kunden zu unterstützen und ihn vor projektverzögernden Stolpersteinen zu bewahren. Die wichtigste Entscheidung für ein Projekt ist die Konstellation des Projektteams und die Identifizierung von Stakeholdern. Auf die Stakeholder möchte ich hier eingehen.

Eine häufige Situation: wichtige Stakeholder werden vergessen
Wir erleben häufig die Situation, dass Anspruchsgruppen ignoriert wurden.. Meistens betrifft das den Betriebsrat. Denn worüber sich die wenigsten Projektteams bewusst sind ist, dass Vernetzungs- und Kollaborationsplattformen mitbestimmungspflichtig sind.

Und was ist das Problem daran?
Aufgrund der Mitbestimmungspflicht müssen Betriebsvereinbarungen festlegen was die Plattform leisten soll und darf. Ohne eine solche Vereinbarung kann das gesamte Projekt zu einem Stillstand gebracht werden. Der Betriebsrat besitzt bei dieser Art von Projekten in hohes Mitspracherecht.

Wie wirkt sich die Nicht-Berücksichtigung aus?
Wenn Sie Ihren Betriebsrat vor vollendete Tatsachen stellen und ihm nur noch die fertige Plattform zeigen, sind Abwehrreaktionen vorprogrammiert. Erinnern Sie sich noch an den Moment, in dem Sie sich das erste Mal mit für Sie neue Plattformen oder Software beschäftigt haben? Können Sie sich noch an all die Fragezeigen erinnern, die Ihnen aufgekommen sind? Ganz ähnlich wird es Ihrem Betriebsrat gehen, wenn Sie ihm nur noch die Ergebnisse Ihres neuen Projektes zeigen wollen. Das ist der Moment wo das große Erklären beginnt. Das ist ebenso der Augenblick wo spätestens nicht eingeplante Zeitverzögerungen eintreten, die Ihren Starttermin ernsthaft gefährden. Darüber hinaus könnte die Gefahr einer Instrumentalisierung Ihres Projektes entstehen. Das heißt, so lange die Betriebsvereinbarung noch nicht unterzeichnet ist, könnte die Zustimmung an beliebige Bedingungen geknüpft werden.

Wie können Sie den Betriebsrat auf Ihre Seite holen?
Geben Sie den Mitgliedern des Betriebsrates die Möglichkeit sich im Sinne der Mitarbeiter in das Projekt einzubringen. Räumen Sie Zeit ein, um den Betriebsrat Bedenken äußern zu lassen und Fragen zu platzieren. Und das selbstverständlich von Beginn an. Sie werden viele hilfreiche Informationen erhalten, die besonderen Einfluss auf die Funktionalitäten Ihrer Social Plattform haben.

Der Betriebsrat als Multiplikator
Betrachten Sie Ihren Betriebsrat nicht per se als Gegner oder machen Sie gar den Fehler ihn ganz außen vor zu lassen. Der Betriebsrat kann genauso gut beispielsweise ein Sponsor des Projektes werden. Die einzigartige Situation, dass Sie mit dieser Gruppe von Beginn an kritische Themen geklärt haben, wird Ihr Projekt zu einem schnellen Erfolg und vor allem zu einer zügigen Einigung bei einer Betriebsvereinbarung helfen. Klassische Fragen der Betriebsräte sind zum Beispiel, ob die Führungskräfte den Mitarbeitern ausreichend Zeit einräumen, um sich aktiv auf der Plattform zu beteiligen oder ob die angezeigten Daten der Mitarbeiter, wie zum Beispiel Telefonnummer oder ein Bild, zulässig sind. Wenn Ihre Betriebsräte die Antworten auf Fragen kennen, die sich auch Mitarbeiter stellen, könnten diese die Anlaufstelle für Mitarbeiter mit Bedenken sein.

Das Ende der Geschichte
Wie es mit dem oben genannten Projekt weiterging? Unser Kunde hat teures Lehrgeld bezahlt und es kam zu einer Projektverzögerung von acht Wochen. Unserer Auftraggeber, die internen Kommunikation, konnte keinen finalen Starttermin kommunizieren. Trotz sonst umfangreicher Einführungsbegleitung war der Start der Plattform holprig. Unnötige Verzögerungen sollten Sie unbedingt vermeiden.

Wenn Sie nähere Informationen zu dem Thema wünschen, treten Sie gerne mit uns in Kontakt. Wir verfügen über relevante Kontakte zu Betriebsräten und Experten in Rechtsfragen, und können Ihnen hilfreiche Tipps und Tricks geben, wie Sie Ihren Betriebsrat erfolgreich einbinden.

Berichten Sie uns gerne auch von Ihren Erfahrungen mit Betriebsräten. Wo lagen Hürden? Was hat sehr gut funktioniert? Wir freuen wir uns auf einen Austausch mit Ihnen.

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