Bianca Gade

Welches Potential hat Enterprise 2.0 für Energieversorger?

Bianca Gade am 11. Mai 2011

 

Energieversorgung 2.0
Als im März mein Telefon klingelte konnte ich nicht ahnen, auf welch interessante Aufgabe ich mich bald vorbereiten darf. Am anderen Ende war ein Vertreter aus dem Verband der GasVersorger. Er bat um einen Enterprise 2.0 Vortrag im Rahmen einer zweitägigen Marketingveranstaltung für Stadtwerke mit rund 150 Teilnehmern aus Geschäftsführung, Vertrieb und Marketing. Diese sollten in dieser Zeit mehr über Social Media Marketing erfahren sowie über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Tools und Vorgehensweisen. Für mich lag die Herausforderung nun darin, den Bogen von der externen hin zur internen Kommunikation zu schlagen und diese in den Kontext eines Energieversorgers zu bringen. Und so grübelte ich ein paar Tage über mögliche Benefits – bis uns ein schreckliches Ereignis ereilte: Fukushima. 

Energiefragen sind nicht erst seit dieser Katastrophe empfindliche Themen der Gesellschaft geworden, doch wird die Sensibilität durch Umweltkatastrophen weiter verstärkt. Zu Recht. So hat der WWF anlässlich der Earth Hour 2011 geschrieben, dass der Energieversorger Lichtblick 3 x mehr Neuaufträge täglich erhalten hat; bei Greenpeace Energy waren es sogar 8 x mehr Neukunden. Seit 2005 bedeutet das eine Vervierfachung der Kunden bei Ökostromanbietern – mit wachsender Tendenz. Das ist ein sehr positives Ergebnis für alle nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen, deren Kunden und nicht zuletzt unsere Umwelt. Verlierer sind die, die es (bisher) nicht geschafft haben, rechtzeitig das Ruder rumzureißen und auf Marktanforderungen zu reagieren. Sie sind zu langsam.

Mein persönlicher Eindruck ist ein kontinuierlicher Wandel des gesellschaftlichen Umweltbewusstseins und das daraus resultierende Verständnis, dass jeder Einzelne etwas zur Gesundheit unseres Planeten beitragen kann. Das bedeutet vor allem mehr Bewusstsein für die Produkte, die der Verbraucher konsumiert – interessanterweise ein Trend, der weg vom Spargedanken hin zur Sinnhaftigkeit geht. Energieversorger haben bei schleichenden und sich plötzlich ändernden politischen, gesellschaftlichen und umwelttechnischen Situationen keine Kontrolle darüber, was während und danach passiert – die hat natürlich auch sonst niemand. Was sie aber beeinflussen können, ist die Schnelligkeit der unternehmensinternen Reaktion auf wechselnde Grundstimmungen. Und so entwickelte sich für meinen Vortrag die Vorstellung dessen, was geschehen wäre, hätten Energieversorger zeitnah mit innovativen Energie- und Serviceprodukten auf die Katastrophe in Japan reagiert. Was dann zur eigentlichen Frage führt: Wie können wir den steten Sinneswandel zur Nachhaltigkeit in das Produktportfolio und den Service eines Energielieferanten nahtlos überführen, um erst gar nicht solche Katastrophen entstehen zu lassen und als Organisation selbst den Benefit daraus zu ziehen? Daraus leitete sich dann auch das Potential für Stadtwerke für meinem Vortrag ab: Es geht um Ideen- und Innovationsmanagement für eins der sensibelsten Themen unserer Zeit: Nachhaltigkeit für Mensch und Umwelt.

Wenn bisher automatisierte Workflows und Prozessoptimierung die Mittel für Schnelligkeit und Effizienz waren, ist es gar nicht einfach, eine Ideenkultur im Unternehmen zu etablieren. Plötzlich stehen wir Fragen gegenüber wie: Was fördert Kreativität? Und wie motiviere ich Mitarbeiter dazu, kreativ zu sein? Wen brauche ich, um innovativ zu sein? Die Antwort auf diese Fragen hat Prof. Peter Kruse im folgenden Video gut auf den Punkt gebracht:

Was wir nach diesen Worten also benötigen, sind die Rahmenbedingungen, die es möglich machen, dass Mitarbeiter kreativ sind. Ebenso erforderlich ist die Unterschiedlichkeit der Menschen: Denn erst wenn Muster diskutiert und Gewohnheiten hinterfragt und aufgebrochen werden, kann Änderung und somit etwas Neues entstehen. Im Zeitalter von Social Media und Enterprise 2.0 haben wir nun die Mittel zur Hand, digitale Vernetzung von Mitarbeitern aus unterschiedlichsten Bereichen zu ermöglichen und somit den Rahmen zu schaffen, den nicht nur Energieunternehmen, sondern auch jede andere Branche für Ideen- und Innovationsmanagement nutzen können.

Und so wurde meine Vorstellung des Social Workplace während der Präsentation mit bejahendem Kopfnicken und anschließend mit interessanten Gesprächen abseits der Bühne belohnt. Ich freue mich über diese zwei Tage, in denen ich viel über die Belange von Energieunternehmen lernen konnte und nebenbei inspirierende Menschen kennenlernte.